Redaktion
Neue Medien an Österreichs Universitäten
 



In einem Diskussionsentwurf vom Oktober 1999 skizziert das Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr ein Rahmenkonzept für “Neue Medien in der Lehre an Universitäten und Fachhochschulen in Österreich”, das in den nächsten Jahren realisiert werden soll. Ein kurzer Abriss der Arbeitsgrundlage.

Leitmotiv

In erster Linie geht es beim Konzept um die Entwicklung von Lehr- und Lerninhalten unter Berücksichtigung stark veränderter Lernumgebungen. Lehrveranstaltungen mit bisher wenig partizipatorischem Charakter sollen durch den Einsatz von neuen Medien ergänzt werden. Diese Umstellung soll zu einer Erweiterung des AdressatInnenkreises dieser Lehrangebote beitragen. Die Möglichkeit zu lebensbegleitendem Wissenserwerb unabhängig von Zeitpunkt und Ort sowie die Chancen auf Qualitätsverbesserungen in der Lehre werden als wesentliche Aspekte genannt, die in einer weiteren Entwicklung zu einer höheren Effizienz im Einsatz der vorhandenen Mittel führen sollen. Im Entwurf wird auch betont: “So sehr es notwendig ist, dass sich der freie Markt im Bildungswesen engagiert, so wichtig ist es, dass dies im kulturellen Rahmen und entsprechend dem österreichischen Bildungssystem geschieht.” Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen sicherstellen, dass Aus- und Weiterbildungsangebote “zu sozial akzeptablen Kosten und mit Qualitätssicherung” zur Verfügung stehen.

Ziele

Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen folgende Ziele realisiert werden:
  Vernetzung, Kontakte. Vorhandene Innovationsbestrebungen sollen zusammengeführt, fachübergreifende Kooperationen ermöglicht und Austauschplattformen eingerichtet werden, in denen Studienkommissionen, Studiendekane und Studierende über Inhalte von Online- und Offline-Angeboten diskutieren.
  Mischformen. Für traditionelle Universitäten und Fachhochschulen (FHS) mit spezifischen kulturellen Entwicklungsgeschichten und Bildungsansprüchen wird nur eine Mischform von Präsenz- und Online-Lehrangebot sinnvoll sein.
  Innovation in der Lehre. Die neuen Möglichkeiten verlangen von den Lehrenden Medien- und Informationskompetenz sowie Teamfähigkeit, von den Studierenden auf Grund der veränderten Lernumgebung erhöhte Eigenverantwortlichkeit.

Strategien

Um die genannten Ziele zu erreichen, ist eine Verknüpfung unterschiedlicher Strategien erforderlich:  
  Kooperationen, Synergieeffekte. Durch die verstärkte – nationale und internationale – interdisziplinäre Zusammenarbeit wird ein erhöhter Innovationsgrad der entsprechenden Lehrangebote erwartet. Das Konzept setzt dabei auf den Ausbau der Kooperationen zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor.
  Wege zur Vernetzung. Die Universitäten in Österreich verfügen mit dem ACONet über ein leistungsfähiges Datennetz, das für Informations- und Bildungsangebote verwendet werden kann. Dieses soll weiter ausgebaut werden; weiters wird ein kostengünstigerer Netzzugang angestrebt. Eine wesentliche Aufgabe soll in der Content-Entwicklung bestehen.
  Wettbewerb zwischen den einzelnen Bildungsinstitutionen soll, so das Rahmenkonzept, dem Innovationspotenzial zum Durchbruch verhelfen.
  Weiterbildung, Personalentwicklung. Der Umgang mit neuen Medien erfordert Kompetenzen, die derzeit bei den Lehrenden nicht generell vorausgesetzt werden können. Daher sollen Personalentwicklungs-, Aus- und Weiterbildungskonzepte der Universitäten und FHS gefördert werden.

Maßnahmen

Die Umsetzung der im Diskussionsentwurf vorgeschlagenen Maßnahmen soll auf der Basis folgender Grundprinzipien erfolgen: Schaffung von Anreizen, Transparenz, externe Bewertung, Output-Orientierung. Als Maßnahmen werden vorgeschlagen:  
  Einrichtung einer Steuerungsgruppe. Diese soll ermöglichen, dass Entwicklungsschwerpunkte gemeinsam mit den Universitäten und Fachhochschulen erarbeitet werden.
  Aufbau eines Bildungsverbundes. Ein österreichisches Bildungsnetz ist notwendig, um vorhandene und die in Entwicklung befindlichen Online-Angebote österreichischer Bildungsinstitutionen national und international allen Zielgruppen (Studierende, Lehrende, an Weiterbildung Interessierte) zur Verfügung stellen zu können.
  Förderprogramm. Für die Fördermaßnahmen, die den Aufbau einer Organisationseinheiten-Plattform, Content-Entwicklung, softwaretechnische Rahmenbedingungen, Preise und Wettbewerbe (etwa den MeDiDa-Prix, der im September 2000 erstmals vergeben wird) sowie Begleitstudien beinhalten, sollen laut Rahmenprogramm für drei Jahre 100 Mio. Schilling zur Verfügung stehen.
  Weiterbildungsangebote. Es sollen Personalentwicklungs- und Weiterbildungskonzepte gefördert werden, die auf den Erwerb von Kompetenzen ausgerichtet sind, die von den Lehrenden durch den Einsatz von neuen Medien verlangt werden: Medien- und Informationskompetenz, Teamfähigkeit, Beratungs- und Betreuungsfunktionen im neuen Lernprozess, Tutoring und Mentoring.

   

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