Editorial
 
Interdisziplinäres Arbeiten
. Die Organisation interdisziplinärer Forschung und Fortbildung als Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Problemlagen ist Auftrag des iff. Interdisziplinarität setzt langfristige stabile Arbeitszusammenhänge voraus und erfordert gezielt Investitionen in die Arbeitsorganisation, interdisziplinäre Diskurse sowie die Entwicklung der Kompetenz und Motivation der MitarbeiterInnen. Am iff ist eine ganze Reihe solcher interdisziplinärer Arbeitszusammenhänge etabliert. Diese kommen in den iff texten zum Ausdruck. Folgende Bände sind bisher erschienen.

Wie wird Wissen wirksam? Nie zuvor stand so viel Wissen so vielen Personen zur Verfügung wie heute. Doch die Wissensberge machen die Mühsal der Menschen nicht kleiner. Denn nie zuvor scheint die Kluft zwischen Wissen und Handeln so groß gewesen zu sein wie heute. Der erste Band der iff texte widmet sich der Frage, wie die WissensproduzentInnen ihre Erkenntnisse und Forschungsergebnisse anderen sozialen Systemen vermitteln können.
Besser Billiger Mehr. Der öffentlich finanzierte Sektor muss leistungsfähiger werden, kostengünstiger wirtschaften und gleichzeitig die Qualität seiner Leistungen erhöhen. Für alle öffentlichen Institutionen bedeuten diese Forderungen dramatische Veränderungen ihrer Rahmenbedingungen. Die Bewältigung dieser Veränderungen bedingt Verständnis für die spezifische Organisationsdynamik. Der zweite Band beschreibt den Reformprozess der Expertenorganisationen Krankenhaus, Schule und Universität.
Technologische Zivilisation und Kolonisierung von Natur. Ein Schaf namens Dolly kündigte an, dass die Menschheit eine neue Stufe der Naturbeherrschung erreicht hat. Die ursprünglich scharfe Trennung zwischen der Welt des Gemachten und der Welt des Geborenen beginnt zu verschwimmen. Immer tiefer greifen die Gesellschaften in Lebensprozesse ein, um sich natürliche Systeme nutzbar zu machen. Das Ausmaß der Technologisierung menschlicher Lebensweisen scheint Grenzen nicht mehr zu kennen. Zwei iff-Abteilungen gehen dieser Problematik im 3. Band auf den Grund.
Alternative Ökonomie. Die Auswirkungen einer sich zunehmend in alle Weltwinkel und Lebensbereiche entgrenzenden Wirtschaft und ihrer einseitig rechnenden Logik werden immer augenfälliger. Gleichzeitig begleitet uns täglich das mediale Geräusch über Krisen. „Neue Wege des Wirtschaftens“ vorzudenken und Überlegungen zu ihrer praktischen Gestaltung zu entwickeln ist das Ziel der Forschungsgruppe „Alternative Ökonomie“ im 4. Band der iff texte.
Kulturlandschaftsforschung. Am iff beschäftigen sich zwei Abteilungen mit mehreren Projekten zur Kulturlandschaftsforschung. Der 5. Band vermittelt ein Bild von den vielfältigen Arbeiten; der Bogen spannt sich von theoretischen Aufsätzen über den Begriff und die politische Instrumentalisierbarkeit der Landschaft über Fallbeispiele bis hin zu empirischen Ergebnissen aus den Forschungsprojekten.
Studium Integrale. Gibt es einen Allgemeinbildungsauftrag für die Universität? Oder erschöpft sie sich im Anbieten von Fachstudien, die immer mehr werden, und auf entsprechende Berufe vorbereiten sollen? In Gesetzespräambeln ist von "Bildung durch Wissenschaft" die Rede – aber wie ernst wird dieser Auftrag genommen? Und welche organisatorischen Maßnahmen gibt es, ihn zu realisieren? Eine Gruppe von WissenschaftlerInnen am iff befasst sich seit einigen Jahren mit der Entwicklung eines "integrierenden" Studienprogramms; eines Programms, das in Ergänzung zu bestehenden Fachstudien den Blick über die jeweiligen Grenzen ermöglichen soll.
Weiter Bildung? Die Bildungsgesellschaft begibt sich in ein neues Jahrtausend. Werden sich die Ansprüche an sie wesentlich verändern? Von lebenslänglichem Lernen(-Müssen) ist schon seit langem die Rede, von der Pflicht zur Weiterbildung im Dienst der Brauchbarkeit am so genannten Arbeitsmarkt ebenfalls. Welche Aufgaben kommen aber Universitäten zu, wenn es um den Erwerb von Zusatzqualifikationen und –kompetenzen geht? Welche Konzepte hat wissenschaftliche Weiterbildung anzubieten, und welchen Stellenwert erhalten Universitäten, wenn sie über ihr klassisches Ausbildungsschema (Studienangebote) hinausgehen?

Externe Perspektiven. In diesem Teil nehmen externe AutorInnen (WissenschaftlerInnen, Journalistinnen, Beamte oder PraktikerInnen), die mit relevanten Forschungsfragen befasst sind, zum jeweiligen Schwerpunktthema Stellung. Ziel ist, den Bezug nach außen herzustellen und andererseits kontroversielle Diskussionen zu fördern.

Transfer & Kontroversen In der Rubrik „Transfer“ werden regelmäßig Aspekte der Vermittlung von Wissenschaft behandelt. Die „Kontroversen“ befassen sich mit aktuellen Entwicklungen in der „Scientific community“.

iff texte online. Den Kategorien „Zeitschrift“ und „Buch“ steht ein ähnliches Schicksal bevor wie den Bezeichnungen „Post“ oder „Dokument“. Der Philosoph und rege Net-Benützer Herbert Hrachovec schrieb im 5. Band über die Konsequenzen elektronischer Journale und die Konsequenzen des „gigantischen freien Anschlagbretts“ Internet für den Wissenschaftsbetrieb. Mit der online-Version der iff texte – genau genommen einigen ausgewählten Texten, die im Volltext zugänglich sind – möchten wir dieser Entwicklung Rechnung tragen. Freilich steht es Ihnen frei, auch die gedruckten Versionen der einzelnen Hefte zu bestellen. Viel Vergnügen beim Lesen – es bleibt Ihnen überlassen, ob vom Papier oder vom Monitor!

Univ.-Prof.Dr. Ralph Grossmann, Reihenherausgeber
Mag. Clemens Ragl, Redakteur


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