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Immer stärker greifen Gesellschaften in
Lebensprozesse ein, um sich natürliche Systeme nutzbar
zu machen. Während so die Möglichkeiten zur technischen
Beherrschung der Natur zunehmen, werden die Folgeprobleme
immer augenfälliger. Entgleitet uns die Herrschaft über
die Natur umso mehr, je mehr wir uns ihrer sicher zu sein
glauben?Das
bisher anschaulichste Symbol für die technische
Beherrschbarkeit der Natur trägt ein dichtes Fell und
hat einen Namen: Dolly. Ein harmloses schottisches Schaf,
und doch erregte es weltweites Aufsehen. Dolly wurde
geklont, ist also ein künstlich hergestellter eineiiger
Zwilling. Mit der Bekanntgabe des erfolgreichen
Experiments wurde ein Schlaglicht auf jene Perspektiven
geworfen, die nun in den Bereich des Machbaren gerückt
sind: Die identische Verdopplung gentechnisch
hergestellter Tiere oder sogar die Herstellung genetisch
identischer Menschen.
Die mediale Aufregung war groß, bot doch Dolly einen
Anlaß, Chancen und Gefahren der Biotechnologie zu
thematisieren. Als Beispiel für die nachdenklichen
Stimmen sei hier Thomas Assheuer zitiert, der in der
"Zeit" (7.3.1997, S.49) schrieb:
"Vielleicht besteht der Irrtum der Wissenschaft im
Glauben, sie sei bloß Wissen, aber kein Weltbild Mit
Dolly, dem schottischen Schaf, steht das neue Weltbild
auf vier Beinen."
Was war da eigentlich passiert? Naturwissenschaftlich
gesehen, markiert Dolly einen Durchbruch in der
Reproduktionsbiologie. Mit Gentechnik hat das Experiment
unmittelbar gar nichts zu tun. Mittelbar allerdings
liefern Fortschritte in der Technologie der künstlichen
Fortpflanzung die Voraussetzung für die erfolgreiche
Anwendung der Gentechnik. Also nur ein kleiner
technischer Fortschritt, kaum der Rede wert, wie sich
manche Apologeten der "neuen Biologie" zu
versichern beeilten? Bis zu einem gewissen Grad mag das
stimmen, denn schon lange vor Dolly waren ähnliche
Experimente mit anderen Tierarten geglückt. Doch Dolly
markiert einen Meilenstein in einem kontinuierlichen
Prozeß, der darauf abzielt, immer tiefer in natürliche
Systeme einzugreifen, diese technologisch zu überformen
und letztlich einen größtmöglichen gesellschaftlichen
Nutzen aus ihnen zu ziehen.
Dolly macht uns auf eine Entwicklung aufmerksam, die in
ihren Grundzügen wohl schon vor über 10.000 Jahren
begonnen hat. Ungefähr zu dieser Zeit kam es zu einem
Übergang von zwei grundsätzlich unterschiedlichen
Formen der Wechselwirkung zwischen Gesellschaften und
ihrer natürlichen Umwelt: von den Jäger- und
Sammlergesellschaften zu den Ackerbaugesellschaften.
Die Ernährung (und damit weitgehend auch die
Energieversorgung) von Jägern und Sammlern unterscheidet
sich nur unwesentlich von der eines mittelgroßen,
gruppenbildenden Säugetieres: Als Nahrung dienen eßbare
Früchte, Wurzeln, Samen und andere natürlich
vorkommende Pflanzenteile, sowie jagdbares Wild.
Eingriffe in die natürlicher Produktion dieser (und
anderer benötigter) Ressourcen gibt es nicht. Sind an
einem Ort die Ressourcen erschöpft, muß die Gruppe
weiterziehen.
Die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht hat einen
grundsätzlich anderen Charakter. Beide beruhen darauf,
gezielt in Natursysteme einzugreifen und sie so zu
verändern, daß sie für den Menschen nützlicher sind
als vorher. Diese Form von Eingriffen in die Natur
besteht nicht einfach darin, sich Objekte der Natur
anzueignen und sie zu bearbeiten. Sei es, um sie als
Werkzeug, Bekleidung oder als Nahrungsmittel verwenden zu
können. Vielmehr geht es darum, definierte Parameter von
Natursystemen so zu beeinflussen, daß sie etwas
Bestimmtes produzieren (Ackerbau) oder bestimmte
Eigenschaften erhalten (Viehzucht). Diese Art der
Naturbeziehung kann "Kolonisierung" genannt
werden. Namensgebend - und gleichzeitig das historisch
erste Beispiel - ist der Bauer (lat. colonus).
Wesentliches Merkmal dieses Vorgangs ist nicht nur der
Eingriff in die Natur, sondern auch die Permanenz dieser
Eingriffe: Von Kolonisierung kann man nur dann sprechen,
wenn ein dynamisches System auf Dauer beeinflußt und
gesteuert wird, um es in einem bestimmten Zustand zu
halten oder definierte Vorgänge ablaufen zu lassen.
Die Kolonisierung von Natur ist eine folgenreiche
Errungenschaft in der Menschheitsgeschichte. Sie
ermöglichte es, die Produktivkräfte der Natur für
gesellschaftliche Zwecke zu nutzen und war damit eine
unabdingbare Voraussetzung für die ungeheure Steigerung
der menschlichen Bevölkerungsdichte seit der
neolithischen Revolution: "Von selbst"
produziert die Natur nicht einmal soviel Nahrung, daß
damit die nach heutigen Maßstäben geringe
Bevölkerungsdichte der frühen Ackerbaugesellschaften
hätte aufrecht erhalten werden können.
Gleichzeitig hat die Kolonisierung Rückwirkungen auf
Lebensweise und gesellschaftliche Organisation. Ackerbau
erfordert unter anderem große Aufwendungen in Form von
"Kolonisierungsarbeit" (Pflügen, Säen, Abwehr
von "Unkräutern" und "Schädlingen"
etc.). Ein großes Maß an Vorausplanung ist nötig,
bevor die Ernte eingebracht werden kann. Viel Wissen muß
von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die
Ernte muß gespeichert werden, was wiederum die
Notwendigkeit nach sich zieht, die Speicher
dementsprechend zu schützen und nötigenfalls zu
verteidigen.
Die Steigerung der Bevölkerungsdichte ist hart erkauft.
Viele Untersuchungen deuten darauf hin, daß Jäger und
Sammler weniger zu arbeiten hatten und trotzdem
wesentlich besser genährt waren als Ackerbauern. Es ist
daher gar nicht so leicht erklärbar, warum es zum
Obergang von der Lebensweise der Jäger und Sammler zu
der des Ackerbaus kam. Hier öffnet sich ein weites Feld
der Spekulation, das von Klimaänderungen, der Ausrottung
wichtiger Jagdtiere bis hin zu einem Versagen der
kulturellen Regelung der Bevölkerungszahl reicht. Schon
lange weiß man, daß Eingriffe in komplizierte Systeme
meist nicht nur die erwünschten Wirkungen zeitigen,
sondern eine Reihe ganz anderer Folgen nach sich ziehen
können. Für die Kolonisierung von Natur gilt das in
besonderem Ausmaß. Sowohl was die Gesellschaft betrifft
(siehe oben), als auch bezüglich der betroffenen
Natursysteme. Das kann man auch am Beispiel der
Landwirtschaft sehen: Sie erfordert ein koordiniertes
Bündel an Interventionen in die betroffenen Ökosysteme.
Weder Säen, "Unkraut"- und
"Schädlingsbekämpfung", noch Düngung alleine
erzielen das erwünschte Ergebnis. Erst regional
angepaßtes Naturmanagement bringt den erwünschten
Erfolg.
Die Kolonisierung von Natur erfordert eine Reihe
gesellschaftlicher Innovationen, die nur in einer ganz
bestimmten Kombination und Abstimmung untereinander
"funktionieren". So ist ein hohes Maß an
"praktischem Wissen" über die Funktion von
Natursystemen und ihre Reaktionen auf bestimmte Eingriffe
erforderlich. Die Durchführung dieser Eingriffe
benötigt in der Regel Werkzeuge und somit Technik, sowie
ein hohes Ausmaß an Arbeit. Diese Arbeit muß
organisiert werden, was wiederum Rückwirkungen auf die
gesellschaftliche Organisationsform hat. Häufig sind
auch bestimmte Ressourcen nötig, zum Beispiel
Materialien, die zur Herstellung der Werkzeuge oder
technischer Gerätschaften dienen oder die Energie für
ihren Betrieb liefern. Kolonisierung steht also in einem
engen Zusammenhang mit der Technik- und
Technologieentwicklung und der gesellschaftlichen
Organisationsform. Die Entwicklung all dessen darf man
sich freilich nicht als einen geplanten Vorgang
vorstellen, eher schon als einen Prozeß der Koevolution
zwischen gesellschaftlichen und natürlichen Systemen.
Fortschritte in der
Kolonisierung
Die Kolonisierung der
Natur steht in einem engen Zusammenhang mit den
materiellen und energetischen Austauschprozessen einer
Gesellschaft mit ihrer natürlichen Umwelt, dem
sogenannten gesellschaftlichen Stoffwechsel. Häufig sind
ganz bestimmte Kolonisierungsstrategien erforderlich, um
die benötigten Ressourcen bereitzustellen. Auch das wird
am Beispiel von Landwirtschaft sichtbar. Die ganze
landwirtschaftliche Lebens- und Ernährungsweise ist
unmittelbar mit den entsprechenden
Kolonisierungsstrategien verknüpft.
Die Bevölkerungsdichte der Jäger und Sammler war durch
die Produktivität der Natur begrenzt. Eine
Intensivierung der Sammeltätigkeit und eine Verbesserung
von Jagdmethoden konnte sie nicht erhöhen, sondern
führte nur zu einer vorzeitigen Erschöpfung der
Ressourcen. Der Anteil der für Menschen verdaubaren
Produkte an der gesamten Biomasseproduktion von
Ökosystemen ist sehr gering. Darum blieb die
energetische Ressourcenbasis von Jägern und Sammlern
schmal und ihre Bevölkerungsdichte niedrig. Der
Arbeitsaufwand war vermutlich auch deshalb
vergleichsweise gering, weil die Reproduktion der
Ressourcen völlig der Natur überlassen wurde und
steuernde gesellschaftliche Eingriffe hierfür nicht
erforderlich waren.
Mit der Entwicklung der Landwirtschaft änderte sich das
fundamental: Ihre Wachstumsgrenzen hängen von einer
Kombination aus natürlicher Produktivität und einem
bestimmten Kolonisierungsregime ab. Diese Grenzen wurden
in der Regel auch erreicht, sodaß der Mangel eine
dominante Erfahrung in Agrargesellschaften war.
Innovationen in der Kolonisierung - etwa die Entwicklung
bestimmter Formen der Düngung, Bewässerungsmaßnahmen,
die Kultivierung neuer Pflanzenarten oder die Züchtung
neuer Tierarten - führten zu einer neuen, höheren
Grenze für die Bevölkerungsdichte. Sie erforderten
gleichzeitig aber auch meist erheblich mehr Arbeit.
Die Kolonisierung der Natur ist eine uralte Strategie.
Die Frage ist, wie relevant die Kolonisierung unter
heutigen Bedingungen noch ist. Der Übergang von der
agrarischen zur industriellen Produktion beruhte ja
zunächst einmal nicht auf einer Innovation in den
Kolonisierungsstrategien, sondern auf Änderungen im
gesellschaftlichen Stoffwechsel. Die wesentliche Neuerung
bestand darin, die Begrenzungen der landwirtschaftlichen
Energie- und Rohstoffbasis (im wesentlichen Biomasse) zu
überwinden, indem auf subterrestrische Ressourcen -
Kohle, mineralische Rohstoffe, später Erdöl, Erdgas
etc. -zurückgegriffen wurde. Erst diese Rohstoffbasis
ermöglichte - zusammen mit den sich daraus ergebenden
Fortschritten in Wissenschaft und Technik - das
phänomenale Ansteigen der Bevölkerungsdichte, der
wirtschaftlichen Produktion und Komplexität der
gesellschaftlichen Organisation.
Die Kolonisierung schien zur Industrialisierung zunächst
wenig beizutragen. Zwar kam es zu technologischen
Innovationen in der Landwirtschaft, die einen erheblichen
Teil der Arbeitskraft für die Industrie freisetzten oder
zu massiven Ertragssteigerungen durch Fortschritte in
Düngung, Pflanzenzüchtung und
"Schädlingsbekämpfung". Doch beschränkten
sich diese Innovationen zunächst einmal auf den Bereich
der Landwirtschaft. Der Kern der technologischen
Entwicklung betraf "mechanische",
"newton'sche" Maschinen: Krafterzeugung,
Materialbearbeitung, Transporttechnologie. Auch das
Zentrum der gesellschaftlich aufgewendeten Arbeit
verlagerte sich dorthin.
Heute zeichnet sich ein neuer Schub an Kolonisierung ab:
Der Aufschwung der biochemischen, biologischen und
ökologischen Forschung eröffnet immer neue Perspektiven
des Eingriffs in Lebensprozesse. Diese können alle
möglichen biologischen Hierarchieebenen betreffen und
reichen vom Genom, der DNA, bis zum Versuch globaler
Eingriffe in biogeochemische Zyklen. Sie betreffen nicht
nur die Produktion neuer Materialien oder Ressourcen,
sondern dienen der Schaffung von Infrastruktur und
inzwischen sogar der Beseitigung von Endprodukten des
gesellschaftlichen Stoffwechsels.
Begreift man Technologie als eine Verschmelzung von
Wissenschaft und Technik zu einem gesellschaftlichen
Entwicklungsprozeß, der immer größere Teile der
Gesellschaft erfaßt (wie es die Theorie der
Technologischen Zivilisation ausdrückt), so läßt sich
vermuten, daß die bedeutendsten technologischen
Innovationen in den jeweiligen naturwissenschaftlichen
"Leitwissenschaften" zu erwarten sind. Es kam
im 20. Jahrhundert zu einem Bedeutungsverlust der Physik
und gleichzeitig zu einer starken Zunahme der
biologischen Forschung, vor allem der Molekularbiologie
und der Genetik.
Der Verlust der
Planbarkeit
Neben der Gentechnik
gibt es einen zweiten Bereich der technologischen
Entwicklung, der das Potential hat, die gesellschaftliche
Organisation und die wirtschaftliche Produktion
fundamental zu revolutionieren: die
Informationstechnologie. Auch hier ist ein
hyperexponentielles Wachstum zu beobachten, das seinen
Plafond noch lange nicht erreicht hat. Interessanterweise
hängt dieses Gebiet ebenfalls eng mit der "Neuen
Biologie" zusammen. Die Entwicklung der
Informationstheorie und damit der Grundlage der modernen
Computertechnik war, wie der Berliner Philosoph Axel Roch
zeigt, eng mit der genetischen Grundlagenforschung
verknüpft. So entwickelte Claude Shannon in seiner
Dissertation "An Algebra for Theoretical
Genetics" die Grundlagen seiner Informationstheorie.
Umgekehrt waren Methoden der Kryptographie, der
Wissenschaft von der Entschlüsselung von
Geheimschriften, von entscheidender Bedeutung für die
Entzifferung des genetischen Codes.
Der amerikanische Computerexperte Kevin Kelly stellte in
seinem vielbeachteten Buch "Das Ende der
Kontrolle" die These auf, der Unterschied zwischen
der Biosphäre, der Welt des Geborenen, und der Technik,
der Weit des Gemachten, werde immer kleiner. Im gleichen
Ausmaß, wie die Prozesse in der Biosphäre immer
stärker gesellschaftlich gesteuert und kontrolliert
werden, entwickeln technische Systeme ein Eigenleben, das
mit klassischen Strategien der Technikentwicklung
(Konstruktion von Maschinen, Schreiben von
Computerprogrammen etc.) nicht mehr beherrschbar ist.
Kelly prophezeit, daß Computerprogramme und andere,
ähnlich komplexe technische Systeme, in Zukunft nicht
mehr durch bewußte Planung, sondern eher durch eine Art
"Züchtung" entwickelt werden können.
Die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Natur
werden auf diese Weise immer komplizierter, die
Kolonisierung unüberschaubarer Es mag schon sein, daß
es mit Gentechnik möglich sein wird,
krankheitsresistente Pflanzen zu züchten und damit den
Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zu senken.
Möglicherweise können biotechnologische Verfahren den
Energieaufwand in chemischen Produktionsprozessen senken
und somit gewisse ökologische Vorteile mit sich bringen.
Doch die Abschätzbarkeit der Folgewirkungen dieser
kolonisierenden Eingriffe sinkt. Zwar ist der
gesellschaftliche Aufwand zur Regulierung der mit Gen-
und Reproduktionstechnik verbundenen Risiken immens.
Dennoch halten viele Experten die Risiken für schwer
abschätzbar, weil verläßliche Methoden hierzu immer
noch fehlen. Doch die Kolonisierung kann nicht nur zu
unvorhersehbaren "Nebenwirkungen" führen. Sie
ist auch eine Hypothek für die Zukunft: Die Aufgabe der
Kolonisierung ist häufig deshalb kein gangbarer Weg,
weil die Natursysteme nicht mehr in den ursprünglichen
Zustand zurückkehren können oder aber die Gesellschaft
von neuen Optionen (Ressourcen, Technologien etc.)
abhängig geworden ist.
Die Entwicklung neuer Kolonisierungsstrategien wird nicht
so schnell ein Ende finden. Das Potential der Gen- und
Reproduktionstechnologien ist mit Dolly noch lange nicht
erschöpft. Sowohl Chancen als auch Risiken zeichnen sich
erst in Umrissen ab. Das gilt nicht nur für die
ökologischen Folgeprobleme, die auftreten können,
sondern auch für die gesellschaftlichen Dimensionen des
Problems. Damit sind nicht nur die ethischen
Implikationen einer Anwendung dieser Technologien beim
Menschen gemeint. Bisher hatten alle Innovationen im
Kontext einer Kolonisierung der Natur weitreichende
Konsequenzen für die gesellschaftliche Organisation -
warum sollte das hier anders sein? Schon jetzt zeichnet
sich ab, daß die Anwendung gentechnischer Methoden in
der Landwirtschaft weitreichende gesellschaftliche und
wirtschaftliche Folgewirkungen hat, zum Beispiel die
wachsende Bedeutung von Saatgutfirmen oder die
Entwicklung von integrierten Paketen aus Saatgut mit
speziell geeigneten Dünge- und Spritzmitteln. Auch die
Bedeutung von wissenschaftlicher und industrieller
Forschung und Entwicklung wird hierdurch gesteigert.
Was zu tun wäre, ist so einfach nicht zu beantworten.
Die Re-Naturalisierung ist kein gangbarer Weg: Es gibt,
zumindestens bei der Bevölkerungsdichte der
industrialisierten Länder, kein Zurück in.
agrargesellschaftliche Zustände -ganz abgesehen davon,
daß heutzutage kaum jemand dazu bereit wäre. Ein Teil
der Lösung können Strategien sein, die das Ziel
verfolgen, den gesellschaftlichen Stoffwechsel zu
verringern. Dies hätte, ceteris paribus, auch eine
Verminderung der notwendigen kolonisierenden Eingriffe
zur Folge. Einige Vorschläge hierfür gibt es, etwa
Strategien zur Steigerung der Effizienz der Material- und
Energienutzung.
Eine Strategie der "Selbstbegrenzung" oder
zumindest eines bewußteren Umgangs mit der Kolonisierung
würde jedenfalls ein Monitoringsystem erfordern, das
Umfang und Eingriffstiefe der gesellschaftlichen
Eingriffe in die Natur, auf einer hoch aggregierten Ebene
sichtbar machen kann. Ein solches ist derzeit erst in
Ansätzen sichtbar.
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