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Christian
Köck und Hans Pechar im Gespräch mit Ralph Grossmann Ökonomische Impulse für die Veränderung von Krankenhäusern und Universitäten |
Organisationstheoretisch betrachtet kommen Organisationen erst dann in Bewegung, wenn sie bedroht sind. Ohne bedroht zu sein, tun sie auch sehr viel, aber nur um so zu bleiben wie sie sind. Um sich auf Veränderungen einzustellen, brauchen sie meistens kräftige Impulse aus der inneren oder einer äußeren Umwelt. Man kann die These aufstellen, die einzige Sprache, die Organisationen wirklich verstehen, ist die Sprache des Geldes und die Frage der Ressourcen, die sie zur Verfügung haben und die Frage der Ressourcenverteilung. Wie schätzen Sie das für die Systeme Krankenhaus und Universität ein? Welche Möglichkeiten der Steuerung, aber auch welche Grenzen der Steuerung beinhaltet der ökonomische Impuls? Christian Köck Ich würde der Grundthese 100%ig zustimmen. Wenn man davon ausgeht, daß sich das Gesundheitssystem in einem Prozeß der Veränderung befindet, liegt eine wirkliche Chance darin, daß die Ressourcen knapp werden. Das macht die Veränderungen, die notwendig sind, erst möglich. Die Richtungen der möglichen Veränderungen sind auf der einen Seite die Steigerung der Effizienz - also mit den vorhandenen Ressourcen effizienter umzugehen - und die Senkung der Kosten und andererseits die Erhöhung des Nutzens, im Sinne der Qualität. Ich kann aus der eigenen Projekterfahrung sagen, daß sich ohne den Ressourcendruck überhaupt nichts bewegt. Wenn wir die einzelnen Qualitätsmanagement-Projekte, die wir gemacht haben, miteinander vergleichen, dann sind die, die sich um diese Projekte beworben haben, eher Organisationen, die existentiell bedroht waren. Von denen, die mit dem Projekt begonnen haben, sind tendenziell wiederum diejenigen erfolgreicher, die einen größeren Konkurrenz- und Überlebensdruck gespürt haben. Schwierig sind im Gesundheitsbereich - und das ist bei den Universitäten wahrscheinlich ähnlich - die enormen externen Effekte. Der Konsument und der Zahler sind zwei verschiedene Instanzen und es gibt enorme Externalitäten - im Sinne von "Was ist die richtige Leistungsmenge?" und "Wer kontrolliert, ob für den gezahlten Preis auch das Richtige geliefert wird?" Im Grunde kaufen die, die zahlen, die Katze im Sack. Das ist in gewisser Weise bei den Universitäten auch so, weil die Konsumenten, nichts dafür zahlen und deswegen auch - wenn man es ökonomisch sieht - bis zu einem relativ geringen Grenznutzen konsumieren würden. Die Frage der Steuerung über ökonomische Anreize muß beide Aspekte berücksichtigen. Auf der einen Seite bedarf es eines Druckes und auf der anderen Seite ist die Frage zu berücksichtigen, wie dieser Druck ausgeübt werden kann. Meine These ist, daß der Gesundheitsbereich zumindest mittelfristig Selbstbehalte einführen wird. Für die Universität würde das bedeuten, daß sich Studienkosten nicht vermeiden lassen, will man qualitätsverbessernde Steuerungseffekte erzielen. Hans Pechar Ich
würde dies alles auch für das Bildungssystem unterstreichen
- und im speziellen für das Universitätssystem.
Zugleich möchte ich auf eine besondere Schwierigkeit
hinweisen, die darin besteht, daß es sowohl im Schul-
als auch im Hochschulbereich einen starken, geschützten
Sektor gibt, von dem ökonomische Herausforderungen -
teilweise zumindest - wirkungslos abprallen. Wir können
im gesamten Bildungssektor das Problem beobachten, daß
dieser geschützte Bereich, der quantitativ eindeutig
dominiert, sich selbstgefällig zurücklehnen kann, und
größtenteils machen das die Leute auch. Dann gibt es
einen kleinen, wenngleich - vor allem im Hochschulbereich
- wachsenden Sektor mit ungesicherten
Beschäftigungsverhältnissen, die sogenannten
Existenzlektoren. Für diese haben sich die Bedingungen
auf Grund des ökonomischen Drucks in einem
unvertretbaren Maße verschlechtert. Das Gefälle
zwischen den gesicherten und ungesicherten Existenzen
wird immer stärker. Zu einer Verbesserung des
Gesamtsystems käme es erst dann, wenn die Position des
geschützten Sektors verändert wird. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bedeutet Steuerung, Hand in Hand mit anderen Rahmenbedingungen dienstrechtliche Veränderungen einzuführen, wie befristete Verträge, unter Umständen leistungsbezogene Verträge, etc. Vielleicht könnten Sie anhand von praktischen Maßnahmen erläutern, was es hier überhaupt heißt, ökonomischen Druck auszuüben? Welches Repertoire an Interventionsmöglichkeiten gibt es da? Christian Köck Vorher
würde ich noch gerne einen interessanten Unterschied
diskutieren, der mir nie so klar war. Wie ist das
Verhältnis zwischen dem geschützten und dem nicht
geschützten Sektor beschaffen? Sie haben beschrieben,
daß sich in Wettbewerbs- oder Krisensituationen die
Bedingungen des nicht geschützten Sektors eher
verschlechtern. Da gibt es einen interessanten
Unterschied zum Gesundheitssystem. Wenn man nach
Deutschland schaut oder in andere Länder, profitiert der
nichtöffentliche und nichtgeschützte Sektor von den
Krisenerscheinungen des Systems. Wobei man die
sogenannten "nicht geschützten" Bereiche nicht
gut vergleichen kann. Im Bildungsbereich handelt es sich
um nicht geschützte Berufsgruppen, wie Lektoren, im
Gesundheitsbereich um große privatwirtschaftliche
Unternehmen, wie Versicherungen und Krankenhaushalter. Hans Pechar Für
entscheidend halte ich, nach welchem Mechanismus die
öffentlichen Gelder verteilt werden. Wenn es so ist -
wie jetzt im österreichischen Bildungssystem - daß die
öffentlichen Gelder nach gewissen Regeln, die von den
Behörden festgelegt werden, in Form relativ klar
spezifizierter Budgets verteilt werden, dann sind das
eben Zahlungsverpflichtungen. Dabei identifizieren die
Ministerien vorher den Bedarf und schreiben dann in Form
fixer Planstellen und rechtlich einklagbarer finanzieller
Zahlungsverpflichtungen das Budget fest. Das ist dann
kaum noch zu beeinflussen. Da kann passieren was will, da
können in der Pädagogischen Akademie die Studenten zur
Gänze wegbleiben - die Planstellen sind da und
verursachen entsprechende Kosten. Christian Köck Hier
liegt der Unterschied zwischen dem Gesundheitsbereich und
dem universitären Bereich. Im Gesundheitsbereich gibt es
signifikante, private Finanzierungsmittel, und zwar über
die Privatversicherung. Die Privatisierung eines Teils
der Kosten in den Fachhochschulen schafft sozusagen eine
kritische Masse eines nicht-geschützten Sektors, wo dann
irgendwann einmal ein Wettbewerb entstehen kann. Im
Gesundheitsbereich ist das durch die Privatversicherung
schon etabliert. Hans Pechar Ein interessanter Unterschied zwischen dem Gesundheits- und dem Bildungsbereich scheint darin zu bestehen, daß Mechanismen, die zumindest teilweise diesen Preismechanismus substituieren, im Gesundheitsbereich schon viel stärker ausgeprägt sein dürften als im Bildungsbereich. Es wäre interessant, darüber nachzudenken, warum das so ist. Ein Grund dürfte - wie Sie schon angeschnitten haben - in diesen privaten oder halbprivaten Mitteln liegen, die hier zum Einsatz kommen. Christian Köck Das sind immerhin 30 %. Hans Pechar Das, was über die Krankenkassen kommt, ist jedenfalls kein staatliches Geld im strikten Sinne. Und schon das lockert das ein wenig auf. Im Bildungsbereich ist das ganz anders - jedenfalls in Österreich - der Großteil wird aus dem Bundesbudget finanziert. In dem Augenblick, wo es eine gewisse Vielfalt zwischen Länder- und Bundesbudgets gibt, zeigt sich manchmal, daß schon gewisse Innovationsmöglichkeiten gegeben sind. Freilich kann man das Zusammenspiel von Bundes- und Länderebene auch so absurd gestalten wie im Pflichtschulbereich, wo die einen (Länder) anschaffen und die anderen (Bund) zahlen. Dann potenzieren sich die irrationalen Effekte. Ein zweiter Grund für diese Unterschiede könnte darin liegen, daß der Kostendruck im Gesundheitsbereich noch stärker zu sein scheint als im Bildungsbereich. Vor allem wenn ich mir die kostentreibenden Faktoren im Gesundheitsbereich anschaue, die technischen Innovationen, die laufend erfolgen. Da ist es sehr schwer, sich der Forderung zu widersetzen: "Das ist jetzt möglich - warum soll es nicht auch realisiert werden?" Das ergibt eine nie endende Spirale. Das ist im Bildungsbereich schon etwas anders - nicht zuletzt deswegen, weil es im Vergleich zum Gesundheitsbereich ein enormes Technologiedefizit im Sinne Luhmanns gibt. Über weite Strecken ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung ungeklärt und es gibt nur geringe Standardisierungsmöglichkeiten. Eine Folge ist die große Beliebigkeit in der Definition der angebotenen und diskutierten Leistungen. Darüber gibt es im Bildungswesen sowohl unter Praktikern wie unter Theoretikern nur wenig Konsens. Im Gesundheitsbereich werden immer wieder Leistungen, die vorher eine fast unbezahlbare Spitzenleistung waren, durch Rationalisierungen kostengünstiger für breite Teile verfügbar, zum Beispiel durch die Biotechnologie. Christian Köck Einer der Gründe, warum wir seit den sechziger Jahren eine Verdopplung des BIP-Anteils an den Gesundheitsausgaben haben, ist diese Diffusion der Spitzentechnologie. Eine Effizienzsteigerung ist jedoch kaum nachweisbar. Der Gesundheitsbereich ist einer der wenigen Sektoren der Wirtschaft, wo man so etwas wie Rationalisierungsgewinne nicht wirklich nachweisen kann. Man kann nicht sagen, eine Bypass-Operation oder die Behandlung einer Herzkranzgefäßerkrankung ist jetzt billiger als vor 15 Jahren, sondern es kommen immer neue Leistungen hinzu, wodurch die Kosten für die Behandlung eines Patienten steigen, Das heißt nicht, daß die Patienten nichts davon haben, nur die Behandlung wird nicht billiger. Und das führt eben zu dieser relativen Ausweitung der Gesamtkosten, weil neue Möglichkeiten dazukommen. Es wird nicht nur ein Ultraschall, sondern ein Röntgen und eine Computertomographie gemacht und natürlich wird dann die Diagnose sicherer, aber ob das in einem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht, würde ich eher verneinen. Wie könnte der ökonomische Druck im Bildungssektor - insbesondere an den Universitäten - überhaupt ausschauen? Ist das eine Deckelung des Budgets, weil es so etwas wie Fallpauschalen ja nicht gibt? Hans Pechar Es läßt sich schwer bewerten, was ein guter Universitätsabsolvent ist. Wahrscheinlich kann man eher sagen, was ein gesunder Patient ist. Wäre es meßbar, ob ein Student gut ausgebildet ist, wenn er die Universität verläßt, dann wäre es relativ einfach, Leistungsverträge abzuschließen. Eine Output-Steuerung würde also die Input-Steuerung ersetzen, die es ja derzeit im Bildungsbereich genauso wie in den meisten Krankenhäusern gibt. Unter den bestehenden Bedingungen ist der schon mehrfach angeschnittene, geschützte Bereich eine der großen Barrieren gegen eine OutputSteuerung. Denn wenn so viel in gesetzliche Zahlungsverpflichtungen fix eingegossen ist, läßt sich nicht mehr viel über den Output steuern. Im Fachhochschulbereich ist es durchaus schon so. Ich würde das zwar nicht OutputSteuerung nennen, aber ich würde zumindest von einer formelgebundenen Input-Steuerung sprechen, was ja schon ein großer Fortschritt gegenüber dem Universitätsbereich ist. Denn da wird nach einer bestimmten Formel eine Studienplatzfinanzierung vorgenommen, die leichte Output-Elemente enthält. Zum Beispiel werden Pönalezahlungen festgelegt. Wenn bestimmte DropOut-Raten überschritten werden, wird das Geld entzogen und damit gibt es schon ein klar faßbares Output-Element. Wenn die Universitäten so etwas zu spüren hätten, dann würde sich die Einstellung zum Drop-Out-Problem rasch ändern. Aber es ist unter den gegebenen Umständen schwer vorstellbar, wie man das macht. Selbst wenn man dienstrechtliche Veränderungen durchführt, ist es nicht leicht zu sehen, wie das kurzfristig quantitativ wirksam werden soll. Bei denjenigen, die pragmatisiert sind, ist es schwer, rückwirkend einzugreifen. Andererseits würden durch die Schaffung einer neuen Kategorie von Universitätslehrern - zunächst einmal parallel zu den bestehenden - interne Auseinandersetzungen entstehen, denen sich der geschützte Bereich nicht so leicht entziehen könnte. Ich meine damit nicht nur die heute marginalisierten Lektoren, denn das ist ja keine zukunftsträchtige Position, sondern ein aus der Not geborener Bereich, aus dem jeder so schnell wie möglich zu entkommen trachtet, sondern ich denke an eine neue Kategorie nicht pragmatisierter Hochschullehrer, die auch universitätsintern über genügend Einfluß verfügen. Dafür gibt es in anderen Ländern genügend Beispiele. Das hätte Auswirkungen, lange bevor alle heute Pragmatisierten in Pension gehen und es ist schon erstaunlich, daß man nicht versucht, energischer in diese Richtung zu gehen. In der politischen Debatte ist das Thema ökonomische Steuerung, ökonomischer Druck auf der einen Seite und Angebot bzw. Qualität auf der anderen Seite ein Kernpunkt. Das bedeutet im Gesundheitswesen, ob mit mehr ökonomischer Rationalität auch Rationierung verbunden ist. Bedeutet ein härteres Vorgehen im Bildungsbereich, daß es zu Einschränkungen von Bildungsangeboten kommt? Sterben Wissenschaftsbereiche aus, die sich nicht so leicht am Markt reproduzieren können, obwohl sie an und für sich wichtiges Kultur- oder Wissenschaftsgut sind? Ist an diesen Argumenten etwas dran oder ist das blanke Ideologie? Und wenn etwas dran ist, mit welchen Maßnahmen kann man gegensteuern? Christian Köck Ein
grundsätzlicher Mißstand ist die Art, wie die Debatte
geführt wird. Da heißt es etwa: "Wenn es so
weitergeht, werden wir zu rationieren anfangen".
Tatsächlich ist das Gesundheitssystem ein Teil der
Wirtschaft und Wirtschaft heißt Rationierung, nämlich
Umsetzung von gesellschaftlicher Knappheit in
individuelle Knappheit. Es ist also unsinnig zu sagen,
wir rationieren nicht. Natürlich rationieren wir! Wir
machen es nur nicht sehr explizit und nicht nach klaren
Kriterien. Das hat einen systematischen Grund und das
unterscheidet Gesundheitssysteme wie das deutsche und das
österreichische sehr wesentlich von anderen, wie zum
Beispiel dem englischen, dem schwedischen oder dem
amerikanischen. Dort sind die Rationierungskriterien ganz
klar. Im amerikanischen Gesundheitssystem ist es im
wesentlichen der Preis. In den Gesundheitssystemen, die
nach dem Prinzip "Gesundheit ist ein öffentliches
Gut" organisiert sind, gibt es einen politischen
Prozeß, dort geht es um ein Kosten-Nutzen-Kriterium oder
um Altersgrenzen, die politisch ausgehandelt werden. Bei
uns ist der Gesundheitsbereich ein diffuser dritter
Sektor. Es gibt diese technokratischen, bürokratischen
Einrichtungen wie Sozialversicherungen, die jeder
politischen und demokratischen Steuerung entzogen sind.
Hier geschieht dieser Aushandlungsprozeß im politischen
Kleinkrieg, aber nicht aufgrund einer demokratischen
Willensbildung. Das ist ein wesentliches Charakteristikum
unseres Gesundheitssystems. Und das ist auch einer der
Gründe, warum es so schwer reformierbar ist: Es gibt
keine politische Plattform, wo diese Rationierungs- und
Reformdiskussion stattfinden kann. Dennoch bleibt der
erste Punkt: Rationierung gibt es. Zweitens gibt es
enorme Produktivitätssteigerungspotentiale, weil es
enorme Mengen überflüssiger Leistungen gibt. Das
heißt, die Ressourcen, die verfügbar sind, sind
effizienter einsetzbar und eine Rationierung im großen
Zuge kann hinausgezögert werden, wenn wir uns dieser
Herausforderung stellen. Beides ist eine politisch
unangenehme Geschichte. Man muß eine
Rationierungsdiskussion führen, die bei uns schwer
führbar ist. Andererseits muß man sich bestehenden
Lobby-Interessen entgegenstellen. Und das heißt,
Anbieterinteressen zu konterkarieren, wie der
amerikanische Gesundheitsökonom Uwe Reinhard gesagt hat:
"Any dollar of health-care-cost is somebodies health
care income." Das ist das Problem. Alles was mehr
ausgegeben wird, fehlt irgend jemandem irgendwann einmal.
Der Grund warum solche Kostendiskussionen so schwer zu
führen sind, liegt darin, daß die Anbieter große Macht
und die potentiellen Verlierer eine gewichtige Stimme
haben. Hans Pechar Hier würde ich wieder eine weitgehende Parallelität zwischen Gesundheits- und Bildungsbereich sehen. Natürlich gibt es auch im Bildungsbereich Rationierung und ich habe den Eindruck, daß es für viele Experten und Politiker sehr entlastend ist, wenn das nicht klar definiert ist. Daher wird eine explizite Formulierung dieser Rationierung unterbunden. Im österreichischen Hochschulsystem gibt es ja in Form des "offenen Hochschulzugangs" das nicht einlösbare Versprechen, daß nicht rationiert wird. De facto wird natürlich rationiert, indem die Ausgaben pro Student zurückgehen, was dann entsprechende Folgen für die Ausbildungsbedingungen hat. Aber man erspart sich die Diskussion darüber, was uns die Hochschulbildung gesellschaftlich und politisch wert ist. Statt dessen erfolgt die Rationierung über intransparente Entscheidungen. Die Bildungspolitik leidet generell an einem Mangel an Kostentransparenz. In Österreich werden jährlich etwa 115 Milliarden Schilling an staatlichen Geldern für den Bildungsbereich ausgegeben. Nicht einmal diese Gesamtsumme wird publiziert, geschweige denn, was nach welchen Kriterien in welche Teilbereiche fließt. Das muß über eigene Forschungsprojekte ermittelt werden. Es gibt in Österreich nicht einmal die Kategorie des Studienplatzes. In gut verwalteten Hochschulsystemen gibt es irgendwelche Formeln, zumindest irgendwelche vagen Richtsätze, was für einen Studienplatz in einem bestimmten Fach ausgegeben wird. Diese Diskussion ersparen wir uns. Ein Kernproblem der Expertenorganisationen besteht darin, daß ihnen auf Seiten der Experten vor allem derjenigen, die Leitungsfunktion innehaben, so etwas wie unternehmerische Verantwortung für die Gesamtorganisation oder zumindest für die Organisationseinheit fehlt, für die sie zuständig sind. Sind ökonomische Anreize für die Leitungskräfte, in Form von differenzierten Gehaltschemata oder Beteiligungsmöglichkeiten, Steuerungsimpulse, die man ernsthaft ins Auge fassen sollte? Christian Köck Es
gibt eine Vielzahl von Beispielen an denen man zeigen
kann, daß das machbar ist. Dabei stellt sich jedoch
immer das Problem, daß ökonomische Anreize massiv
wirken und eine eindeutige Streuung vorgeben. Hans Pechar Was die Bewertung der Leistungen angeht, ist es im Bildungsbereich kaum einfacher. Das ist eines der großen Probleme, mit denen man konfrontiert ist, wenn man ein leistungsbezogenes Gehaltschema auch nur in Erwägung zieht. Auf der anderen Seite ist nicht einzusehen, warum eine Expertenorganisation, die einen Großteil ihrer Energie darauf verwendet, andere zu bewerten - und zwar wie die Unterrichtsforschung seit vielen Jahrzehnten zeigt, nach durchaus dubiosen Kriterien - die eigenen Leistungen nicht beurteilen können soll. Schwächen der Leistungsbeurteilung können nichts daran ändern, daß irgendeine Form der Leistungsbeurteilung notwendig ist. Warum sollte es nicht möglich sein, daß das Gehalt eine leistungsbezogene Komponente beinhaltet? Das bedeutet natürlich, daß man handlungsfähige Führungskräfte braucht. Christian Köck Man
muß sich darüber bewußt sein, daß alle diese
Veränderungsinstrumente, die der
Organisationsentwicklung zur Verfügung stehen, alle die
Daten, die diese Systeme steuerbar machen, auch Kosten
verursachen. Die Frage ist, ob diese Transaktionskosten
durch die Rationalisierungsgewinne wettgemacht werden.
Ich halte das im Gesundheitsbereich für möglich, wenn
es klare Anreize zur Verminderung der Kosten gibt. Hans Pechar in der Art, wie sich Universitätslehrer traditionellerweise als Experten verstehen, wird es natürlich als eine Beschränkung ihrer Autonomie erlebt - und in gewisser Hinsicht ist es das auch - wenn sie über ihre Leistungen Rechenschaft ablegen sollen. Sie müssen es erst einmal verkraften, daß die Außenwelt mehr mitzureden hat als bisher. Das ist eine tiefe narzistische Kränkung, vor allem im universitären Bereich, in dem dies Mythen von Einsamkeit und Freiheit so stark verankert sind. Die Hochschulexpansion der letzten Jahrzehnte hat diesem traditionellen Autonomiekonzept weitgehend den Boden entzogen, aber in den Köpfen der meisten Hochschullehrer wurde dieser Wandel noch nicht nachvollzogen. Aber die jetzige Krise verlangt nach einem neuen Autonomiekonzept, das die Institution in den Mittelpunkt rückt und das mit neuen Organisations- und Managementkonzepten verknüpft ist.
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