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Museum | Fiktion (Wonisch)
Begriff und Erscheinungsformen virtueller Museen (Olbrich)
Museum | Differenz | Alterität (Muttenthaler)
Museum | Wissen | Wunsch (Offe)
Museum und Blick (Wonisch)
Museum und Intervention (Muttenthaler, Wonisch)
"Kultur ist deshalb öffentlich, weil ..." (Muttenthaler)





MUSEUM | FIKTION Regina Wonisch

Denk- und Schreibwerkstatt Drosendorf 2009

Museen befinden sich im Zwischenbereich von Wissenserwerb, ästhetischem Erlebnis, Symbolisierung, Repräsentation und Unterhaltung. Zwar halten Museen und Ausstellungen vielfach am Bild wissenschaftlicher Autorität und Objektivität ihrer Präsentationen fest. Dennoch gerät die Frage nach deren fiktionalen Anteilen langsam in den Blick, etwa in der Frage von Deutungsmacht und AutorInnenschaft, von Authentizität und vielfältigen Subtexten/Diskursüberschüssen in visuellen Manifestationen etc. Künstlerische Arbeiten, (selbst)reflexive Ausstellungsprojekte und museologische Diskurse thematisieren seit einiger Zeit das Spannungsfeld von Fakt und Fiktion im Selbstbild von Museen, in Ausstellungsnarrativen, in musealen Praktiken wie dem Sammeln und Dokumentieren.


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BEGRIFF UND ERSCHEINUNGSFORMEN VIRTUELLER MUSEEN Prisca Olbrich



Die Arbeit befasst sich mit Begriff und Erscheinungsformen virtueller Museen. Bezeichnet werden mit diesem Begriff Seiten und Projekte im Internet, die versuchen, einen musealen Raum im World Wide Web zu schaffen. Die Auseinandersetzung mit dem damit geschaffenen Paradoxon – wie kann ein virtueller Raum ein Pendant zum klassischen Museum sein, das sich doch über seine materiellen Objekte definiert – durchzieht in weiterer Folge den Text als roter Faden und forschungsleitende Fragestellung. Vor dem Hintergrund einer Diskussion der bestimmenden Merkmale des physischen Museums macht es sich der Text zur Aufgabe, eine Darstellung der Definitionsversuche des virtuellen Museums zu liefern. Gleichzeitig wird ein Systematisierungsschema für die so unterschiedlichen Erscheinungs-formen virtueller Museen entwickelt, wobei die empirische Untersuchung dreier ausgewählter virtueller Museen als Basis dient. Sowohl die empirischen als auch die theoretischen Forschungsschritte ließen zu dem Schluss kommen, dass sich virtuelle Museen vor allem durch ihren Umgang mit Objekten als solche konstituieren. Die Arbeit umfasst zahlreiche Screenshots virtueller Museen.


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MUSEUM | DIFFERENZ | ALTERITÄT Roswitha Muttenthaler

Denk- und Schreibwerkstatt Drosendorf 2007

Welche Geschichten, Bilder und Deutungen auch immer in Museen und Ausstellungen angeboten werden, es sind auch Erzählungen und Projektionen zu Männern und Frauen bzw. deren Verhältnis zueinander. So einfach diese Einsicht ist, die Kategorie Gender wird - wenn sie nicht dezidiertes Thema in Museum und Ausstellung ist - in der Praxis kaum mitreflektiert.

Museen und Ausstellungen sind längst nicht mehr umstrittene Orte, wo die adäquate Repräsentation von Frauen mit politischem Aktionismus eingefordert wird. Mit der Verlagerung des Fokus auf das Geschlechterverhältnis erweitern sich die Fragestellungen, vielfältige Differenzen geraten in den Blick.

Welche Möglichkeiten und Strategien gibt es, die Wahrnehmung von Doing Gender in der visuellen Kultur zu sensibilisieren und die in Museen eingeschriebenen Diskurse lesbar zu machen? Wie können mit aktuellen Genderdiskursen museale Praktiken im Hinblick auf die Produktionsmacht von Zuschreibungen und kulturellen Ausgrenzungen befragt und unterlaufen werden? Welche Konzeptionen für gendersensibles Sammeln und Ausstellen können entwickelt werden? Darüber könnte in der diesjährigen Schreibwerkstatt nachgedacht und diskutiert werden.


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MUSEUM | WISSEN | WUNSCH Sabine Offe

Denk- und Schreibwerkstatt Drosendorf 2006

"Was können wir wissen?" ist eine traditionsreiche Frage der Erkenntnistheorie. Auch für die Museumspraxis steht die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten des Wissens im Mittelpunkt aller Tätigkeiten: des Sammelns, Bewahrens, Ausstellens, Forschens, Vermittelns. Alle an Ausstellungen Beteiligten wollen ja immer etwas vermitteln, lehren und sehen sich mit der Frage nach den Möglichkeiten konfrontiert, Wissen in Museen zu organisieren und zu vermitteln. Die Unmöglichkeiten und Unwägbarkeiten werden nochmals evident, wenn sie versuchen, ihre Absichten mit den Wirkungen auf das Publikum in Übereinstimmung zu bringen.

Die Zwischen-Position von Museen zwischen Wissen und Wunsch anhand von Beispielen aus der Museumspraxis zu beschreiben ist vielleicht eine Möglichkeit, im diesjährigen Workshop in Drosendorf über Aufgaben und Dilemmata von musealem Wissen, über Vermittlung und Lehre nachzudenken und zu diskutieren. Immer mehr Museen versuchen, die Unübersichtlichkeit, die Position zwischen Wissen und Nichtwissen, in den Präsentationsweisen zu reflektieren. Sie versuchen, die autoritäre Position der Wissensproduktion, die Museen traditionell innehatten, zu unterlaufen. Sie zeigen ihre Entstehungsgeschichten und relativieren sie damit, sie zeigen ihre Depots und überlassen die “Ordnung der Dinge“ den Assoziationen der BesucherInnen, sie führen die Zufälligkeit und Beliebigkeit und Idiosynkrasie von Sammlungen vor, also die Wünsche und Ängste der SammlerInnen und AusstellungsmacherInnen, deren Leidenschaften und Interessen.

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MUSEUM UND BLICK Regina Wonisch

Denk- und Schreibwerkstatt Drosendorf 2002

Kaum eine andere Institution schafft so viele Blick-Szenarien wie das Muse-um: den ordnenden Blick, den fragenden Blick, den begehrlichen Blick, den beobachtenden Blick, den toten Blick, den flüchtigen Blick, den teilnehmen-den Blick, den trügerischen Blick, den bösen Blick... So eröffnet sich ein differenziertes Feld von Phänomenen der visuellen Kultur, die über die Institution Museum weit hinaus weisen.
Die Ideologie des „reinen Sehens“ ebenso wie das Sehen als das vorherrschende Paradigma der Erkenntnis oder als Garant der Transparenz sind obsolet geworden. Aktuelle kulturwissenschaftliche Theorien gehen von einer Dichte des Sehens aus, von einer Reihe von Filtern aus sozialen Normen und kulturellen Faktoren, die zwischen Sehendem und Gesehenem wirksam werden.
Unter diesem Aspekt wäre auch im Hinblick auf Ausstellungen zu fragen: Was wird von wem zu Sehen gegeben? Und was wird wie gesehen und mit welchem Effekt? ...

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MUSEUM UND INTERVENTION Roswitha Muttenthaler, Regina Wonisch

Denk- und Schreibwerkstatt Drosendorf 2003

In der kritischen Reflexion des Museums wurde es ebenso als „kultureller Schlüsselort“1 bezeichnet wie als Ort „umkämpfter Identitäten“2. Denn gerade, weil das Museum eine symbolisch hochbesetzte kulturelle Institution ist, ist es ein Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Damit ist das Spannungsfeld, in dem sich das Museum im Hinblick auf das Verhältnis zur Gesellschaft befindet, angesprochen. Um dieses Verhältnis neu auszuloten, versuchen wir den Begriff der Intervention heranzuziehen: Intervention verstanden im Sinne von Vermit-teln, Eingreifen, Einschreiten, Einflussnahme. Der Begriff Intervention findet vor allem in politischen und sozialen Kontexten Anwendung: in konfliktträchtigen oder krisenhaften Situationen, wo ein Akteur einen Eingriff vornimmt, um Veränderungen herbeizuführen. Aber auch im Bereich der Kunst fand er unter dem Begriff „soziale Intervention“ Eingang.3 Auf der strukturellen Ebene ist die Intervention davon gekennzeichnet, dass es sich um ein differenzschaffen-des Vorgehen hand e lt. Was bedeutet dies nun für das Museum? ...

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"Kultur ist deshalb öffentlich, weil Bedeutung etwas öffentliches ist." Roswitha Muttenthaler

Referat im Rahmen der Enquete „Aufgaben und Ziele städtischer Museen im 21. Jahrhundert“ zum Historischen Museum der Stadt Wien, 10.4.2002

In der kritischen wissenschaftlichen Reflexion des Museums wurde es als „kultureller Schlüsselort“ bezeichnet, als Ort „umkämpfter Identitäten“3 oder „zivilisierender Rituale“, es wurden Forderungen erhoben wie die nach einer „Schule des Befremdens“ oder einem „Laboratorium konkurrierender Sinnstiftungsentwürfe“. Gemeinsam ist diesem Nachdenken, dass das Museum als zentrale Instanz zur Verhandlung von Repräsentation erkannt wird. Diese Rolle erwächst dem Museum gerade auch aufgrund der widersprüchlichen Position, die die Entwicklung der letzten Jahre charakterisiert: Auf der einen Seite werden lange geltende Standards in Frage gestellt, wodurch die Abgrenzungen des Museums zu anderen Kultur- oder Freizeiteinrichtungen durch-lässiger werden. Sammlungen sind zunehmend via Internet einzusehen, Museen virtuell zu besuchen. Und die Tendenz zum Event und marktfähigen Produkt bestimmt verstärkt die Museumsaktivitäten. Zum anderen gibt es eine Revitalisierung der Museumsidee: immer weitere Dinge und Aspekte werden museumswürdig, ... .

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