Schreibwerkstatt - Museum | Gewalt

Idee und Konzept
Museum | Fiktion
Museum | Gewalt
Museum | Differenz | Vielfalt
Museum | Wissen | Wunsch
Museum | Raum
Museum | Intervention
Museum | Blick


Denk- und Schreibwerkstatt, Drosendorf, 12.-18. Mai 2008

Museum | Gewalt


wie geht das zusammen? Der Titel widerspricht dem landläufig doch eher friedlichen Bild des Museums als einer gesellschaftlichen Bildungseinrichtung, deren Aufgaben weltweit in der Formel von "Sammeln, Bewahren, Erforschen, Vermitteln, Ausstellen" zusammengefasst werden. Diese Formel bestätigt die in der Öffentlichkeit noch kaum in Zweifel gezogene Arglosigkeit und auch die strukturelle Blindheit der Institution Museum gegenüber den eigenen gewaltförmigen Voraussetzungen, Traditionen und gegenwärtigen Praktiken.

Denn entgegen seinem Selbst- und Fremdbild ist auch das Museum "niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein" (W. Benjamin). Gewalt ist für die Entstehung von Museen ebenso konstitutiv wie für ihre Sammel- und Ausstellungspolitik.

Eines der frühesten bürgerlichen Museen, der Louvre, entstand 1793 auf dem Höhepunkt der terreur, also im Zeichen der Guillotine, und war wie andere Museen nicht nur Nutznießer der Kunstschätze, die in der Folge von Bilderstürmen, Revolutions- und Eroberungskriegen anfielen, sondern selbst bereits Auftraggeber für Beutekunst. Völkerkundemuseen entstanden in der Folge von kolonialer Ausplünderung und Völkermord, Naturhistorische und Technikmuseen in der Folge zunehmender Zerstörung von Natur, sozialer Umwälzungen und Erschütterungen, Geschichts- und Heimatmuseen waren Hort aggressiver nationalistischer und regionalistischer Propaganda.

Weniger offensichtlich ist bis heute die strukturelle Gewaltförmigkeit der Museumspraxis, der Umgang mit Objekten, Bildern, Medien, BesucherInnen. Alle Ausstellungen dokumentieren und vermitteln Strategien der Ausgrenzung durch Auswahl und Klassifikation und verleugnen die oft gewalttätigen Geschichten der Aneignung, der Zerstörungen und der Verluste, der Arbeits- und Leidensgeschichten, die ihrer Musealisierung vorausgehen. Diese Ambivalenzen des Museums spiegeln sich in den Reaktionen der Besucher auf ausgestellte und verborgene Geschichten von Gewalt, Tod und Krieg, Reaktionen von Abwehr und Faszination, aggressiven Affekten und Ängsten, Gleichgültigkeit oder Empathie.

Wie kann man, soll man und darf man mit Geschichten und Bildern der Gewalt in Museen umgehen? Wie sie ausstellen, ohne zu beschönigen, zu idealisieren, zu heroisieren oder zu diskriminieren, wie den Grat bestimmen zwischen Schaulust und Erschrecken seitens der Besucher? Wie lassen sich Zusammenhang und Ambivalenzen von Barbarei und Kultur in Museen sichtbar und sagbar machen, und welche Folgen hat das für Konzepte von Ausstellungen, Vermittlungsprogramme und Öffentlichkeit? Diese und andere Fragen, die alle Museen angehen, werden wir in Drosendorf anhand der Projekte der TeilnehmerInnen, anhand von Texten und Referaten diskutieren.

... Nähere Ausführungen im Reader "Museum | Gewalt" [32,4 MB]
... Nähere Ausführungen in der Ö1-Sendung Salzburger Nachtstudio: Dokument der Kultur - Ort der Barbarei. Über das Verhältnis von Museum und Gewalt. Gestaltung: Tanja Malle


Modalitäten der Veranstaltung
Die Idee der Denk- und Schreibwerkstatt besteht darin, den TeilnehmerInnen ein Forum für den Austausch zu museologischen Fragestellungen zu bieten. Dabei wird zum einen das individuelle Arbeiten an einem persönlichen Arbeitsvorhaben ermöglicht, zum anderen sollen sich alle ausgehend von ihren Arbeitsschwerpunkten und Interessensgebieten in den gemeinsamen Diskussionsprozess einbringen. Deshalb ersuchen wir, mit der Anmeldung ein Kurzexposé Ihres Arbeitsvorhabens sowie eine knappe Darstellung, wo Sie Anknüpfungspunkte zum Thema "Museum | Gewalt" sehen, mitzuschicken. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist auf 15 Personen beschränkt.

Leitungsteam:
Sabine Offe von der Universität Bremen sowie Roswitha Muttenthaler und Herbert Posch von eXponat. Forum für Museologie und visuelle Kultur .

Ort: Schloß Drosendorf, 2095 Drosendorf, Österreich (+43-2915/2321-0, fax-40)

Beginn: Montag, 12. Mai 2008, 16:30 Uhr

Ende: Sonntag, 18. Mai 2008, nach dem Mittagessen

Kosten:
Der Seminarbeitrag von € 200,- wird mit Bestätigung der Anmeldung fällig.
Die Kosten für Übernachtung mit Halbpension in der Höhe von € 310,- werden vor Ort eingehoben.

Anmeldung: bis 11. April 2008 unter herbert.posch@univie.ac.at







Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien | Wissenschafts- und Forschungsförderung

http://www.iff.ac.at/museologie | aktivitäten > schreibwerkstatt > museum gewalt (2008)