Publikationen - Museum zum Quadrat

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Museum im Kopf. [MQ7]


Roswitha Muttenthaler, Herbert Posch, Eva Sturm (Hg.)
Museum im Kopf.
Museum zum Quadrat 7. Wien 1997. Turia+Kant. 176 S. €14,- ISBN 3-85132-143-X



Inhalt:
Roswitha MUTTENTHALER, H.POSCH, E. S.-STURM, Museum im Kopf - ein Konzept
Sabine OFFE, Verortung von Gedächtnis. Zur Topologie jüdischer Museen nach 1945
Daniel WEIDNER, Erstarrte Unruhe. Das Bild des Vergangenen bei Walter Benjamin
Hinrich LÜHMANN, Happy Ending. Fiktionen des Heils
Ursula GILLMANN, Ausstellungsnotitzen. Museum für Gestaltung Basel
Gerlinde HAUER, R.Muttenthaler, R.Wonisch, An-Leitung zur "weiblichen Ich-Findung" Selbstaffirmative Repräsentationen versus Dekonstruktion von Geschlechtsidentität
Martin ZEILLER, Das Kunstmuseum, das ich mir erträume
Susanna MORGENSTERN,weiter Anton Holzer, Rot sehen. Die Farben der Landschaft
Gerhard FRANK, Konstruktivismus und Vermittlung.


Die museologische Arbeit, welche das öffentliche Theorie-Laboratorium Museum im Kopf betreibt, ließe sich beschreiben als Erforschung der blinden Flecken dessen, was sich Museum und Ausstellung nennt.

Was dazwischen und darunter liegt, was gewöhnlich verdeckt wird und kaum zur Sprache kommt, wird hier aufs Tapet gebracht. Wie ein näher und ferner und immer wieder neu zu umkreisendes Phänomen entsteht das Museum im Diskurs, bildet sich im Kopf, welcher nur deshalb rund ist, damit - wie Francis Picabia zu Recht konstatiert - die Gedanken die Richtung wechseln können.


"Niemals erbt man, ohne sich mit dem Gespenstigen auseinanderzusetzen" (Jacques Derrida)


Die Lebendigkeit des historischen Wissens, des Verstehens und der Geschichtserzählung hat sich jetzt vielleicht als etwas gezeigt, was nur durch die Verdrängung dieser Gespenster, der eigentlich geschichtlichen Gegenstände möglich ist. Damit hätte sich die anfängliche Konstellation umgekehrt: Was als Defizit des Museums erschien, die Leblosigkeit seiner Vergegenwärtigung der Vergangenheit, diese Armut verwandelt sich plötzlich in die Möglichkeit einer anderen, tieferen und brüchigeren Geschichte. Die Lebendigkeit der erzählten Geschichte ist ja immer schon eine gereinigte, schlackenlose. Das aber, was im Museum in der Starrheit seiner Exponate sichtbar wird von der Vergangenheit - von Fall zu Fall geschieht das ja -, ähnelt das nicht dem Spuk, dem Schwanken zwischen voller Präsenz und voller Abwesenheit? Ist nicht gerade der musealisierte Gegenstand einer Erfahrung offen, die dem Eingedenken ähnelt?


Aber vielleicht ist das noch zu einfach gedacht: "Es bringt uns nämlich nicht weiter", schreibt Benjamin einmal über die spiritistischen Neigungen der Surrealisten, "die rätselhafte Seite am Rätselhaften pathetisch oder fanatisch zu unterstreichen; vielmehr durchdringen wir das Geheimnis nur in dem Grade, als wir es im Alltäglichen wiederfinden, kraft einer dialektischen Optik, die das Alltägliche als undurchdringlich, das Undurchdringliche als alltäglich erkennt. Die passionierteste Untersuchung telepathischer Phänomene zum Beispiel wird einen über das Lesen (das ein eminent telepathischer Vorgang ist) nicht halb so viel lehren wie die profane Erleuchtung des Lesens über die telepathischen Phänomene."