Publikationen - Museum zum Quadrat

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"...das Opfer von ein paar Federn". [MQ12]


Fliedl Gottfried
"...das Opfer von ein paar Federn". Die sogenannte Federkrone Montezumas als Objekt nationaler und musealer Begehrlichkeiten.
Museum zum Quadrat 12. Wien 2001. Turia+Kant. 61 S. EUR 10,- ISBN 3-85132-313-0



November 2002. Ein mexikanisches Wissenschafterteam hat in Wien Gelegenheit, die sogenannte Federkrone Montezumas zu untersuchen. Die Untersuchungen stehen in Zusammenhang mit mexikanischen Rückgabeforderungen, die schon seit langem erhoben wurden und die 1996 einen besonderen Nachdruck fanden. Damals kündigte Bundespräsident Thomas Klestil die Rückgabe von unter Unrechtsbedingungen in österreichische Museen gelangten Objekten an.

Inzwischen hat eine Raubkunstdebatte ganz anderer Dimension stattgefunden, die über Arisierung jüdischen Besitzes in der NS-Zeit und die Existenz unzähliger, aus dieser Arisierung stammender Objekte in Museumssammlungen.

Und just zu der Zeit, da nun, Ende 2002, die 'Federkronen'-Debatte erneut aufflammt, setzt der Direktor des British Museum ein bemerkenswertes Zeichen: im Tausch gegen Leihgaben sei er bereit, die Elgin Marbles an Griechenland zurückzugeben. Als für die Gewaltförmigkeit und Rechtsbrüchigkeit musealen Sammelns weltweit am stärksten symbolischen 'Kunstraub-Fall' wird diese Entscheidung, falls sie fällt, weltweit die Praxis der Museen in Umgang mit 'Beute' verändern.

Im Juli des Jahres 1996 wurde nun die sogenannte Federkrone des Montezuma plötzlich zum Politikum: Anläßlich einer Türkeireise und eines Besuchs der österreichischen Grabungen in Ephesos, versprach der Präsident der Republik Österreich, Thomas Klestil, die Federkrone zurückzuerstatten. Im Kontext einer etwas ahnungslos-pauschalen Andeutung, daß alle widerrechtlich erworbenen Kulturgüter aus österreichischen Museen zurückzuerstatten seien, kündigte der Bundespräsident die Rückgabe anläßlich seines Staatsbesuches in Mexiko an. Seine Motive waren weniger ethische als politische.

Inspiriert von einer Anregung des Rektors der Hochschule für Angewandte Kunst, Rudolf Burger, wollte Klestil die Federkrone dem amtierenden mexikanischen Präsidenten, Zedillo, als Abstattung einer "nationalen Dankesschuld" auf den Gabentisch legen. Mexiko war nämlich das erste Land gewesen, das gegen die Annexion Österreichs durch das nationalsozialistische Deutschland protestiert hatte. Damit nicht genug, sollte dies alles im Kontext der sogenannten Milleniumsfeiern, der Feiern des vorgeblich tausendjährigen 'Bestandes' Österreichs geschehen, und gleichzeitig der prekäre Status des Objektes als koloniales Beutestück getilgt werden.
Listig hatte Burger nämlich vorgeschlagen, das Stück zu verschenken und nicht etwa, es zurückzuerstatten, womit - schenken kann man nur, was man besitzt - das Eigentumsrecht Österreichs unangetastet bliebe. Also noch in der Geschenkgeste hätte die Gabe den Besitz und das Besitzrecht bekräftigt. Rudolf Burger: "Für Mexiko bedeutete diese Gabe unendlich viel, für uns nur das Opfer von ein paar Federn."