Publikationen - Museum zum Quadrat

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Originalbild und Wunsch-Erinnerung [MQ1]


Frank Jürgensen
Originalbild und Wunsch-Erinnerung
Museum zum Quadrat 1. Wien 1990. AG theoretische & angewandte Museologie. 116 S.
EUR 10.- ISBN 3-901163-00-X



An konkreten Beispielen aus der Ausstellungs- und Museumspraxis orientiert, in drei Beiträgen des Autors um die Probleme Erinnerung, Inszenierung und Sammeltätigkeit angeordnet. Pädagogik habe keine schlüssige 'Theorie der Subjekte' und 'die beständige Unschärfe der Kunstpädagogik' (bei Kurt Staguhn, Gunter Otto oder Axel von Criegern) 'die die Rezeption des Kulturellen dem Produzieren ideologisch unterordnet, ohne dessen Resultate anders als innerschulisch werten zu können, hindert das Entstehen eines verklammerten theoretisch praktischen Arbeitsfeldes des Kulturellen und der Kunst für die Schule', so der einleitende Vorwurf von Frank Jürgensen.

Während bis zu den siebziger Jahren Inszenierungen überwiegend als Ausdruck von Herrschaft interpretiert wurden und auch die Geschichte der Inszenierung in der Malerei primär einer Folge wechselnder Sehweisen und Perspektivwechsel geschuldet schien, richteten sich die Einwände gegen das Inszenieren nun mehr 'gegen ihre mögliche Wirksamkeit, als gegen Auswüchse und Unzulänglichkeiten'. Inszenierungen verbinden die Mittel mit subjektiv-willkürlichen Vorstellungen und sie inszenieren diese Vorstellungen durch die Mittel und die Mittel durch die Vorstellung.

Über den Reliquien-Charakter musealer Gegenstände werden Fragen des Auslegens und der Interpretation virulent. Es gäbe hier kein Entkommen: Das Szenische der Museumsoriginale erscheint nicht erst in Inszenierungsabsichten; den Gegenständen haftet in ihrer überkommenen Zuständlichkeit das Szenische an, sie sind dafür disponiert, so daß 'Inszenierung' für sie nicht eine Hinzufügung ist, vielmehr dem Umgang mit ihnen entspricht. Unter allen Umständen bilden sich 'Szenen': erste eingerichtete Interpretationen, auch ohne Willkür. Und so habe 'in der demonstrativen Leere seiner Umgebung ein Bildoriginal die Chance, seiner Verflachung zum bloßen Bild zu entgehen, die Unmittelbarkeit des Originals scheint für viele mögliche Bezüge geöffnet; auf das abhanden gekommene ist hingewiesen.'

Martin Lenz-Johanns in: Standbein/Spielbein, Nr.43/1995, S.34f.


"Dort, die Muschel will ich aufheben (...); ich lege sie mir dann zuhause auf den Schreibtisch als Andenken für mich, und wenn mich Besucher nach der Besonderheit dieser Muschel fragen, so bemerke ich leichthin Ach nichts, die habe ich einmal so vom Meeresgrund aufgelesen, siebzehn Meter unter der Oberfläche. Ja, hat sich was mit 'auflesen', ich knie nieder, um sie 'aufzulesen'. (...) Sie ist so fest angewachsen, daß ich sie nicht loskriege. Ruhig fasse ich eine andere - ganz vergeblich, auch sie bewegt sich nicht. Na, liegt auch nichts dran, ich kaufe mir morgen irgendeine Muschel und lege sie auf meinen Schreibtisch. Nach ein, zwei Jahren werde ich schon selbst steif und fest daran glauben, daß ich sie vom Meeresboden aufgelesen habe."

Frank Jürgensen, geboren 1943 in Gronau/Han. Studium der Kunstgeschichte, Lehramt an Volks- und Realschulen. 1977-1981 freiberuflicher Reiseleiter und Museumspädagoge
1981-1996 tätig im Museumspädagogischen Dienst Hamburg (Museum für Hamburgische Geschichte).
1991-1993 Mitarbeiter im Kinder- und Jugendmuseum München.
Seit 1996 Museumspädagoge an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, lebt in Hamburg.