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InventArisiert


InventARISIERT.


Ilsebill Barta-Fliedl, Herbert Posch
InventARISIERT. Enteignung von Möbeln aus jüdischem Besitz
Mit Fotografien von Arno Gisinger und einem Beitrag von Monika Schwärzler.
Wien 2000. Turia+Kant. 160 S. EUR 22,- ISBN 3-85132-265-7

Buch zur gleichnamigen Ausstellung (http://www.iff.ac.at/inventarisiert) über Fragen der Enteignung und Restitution von Objekten und die Rolle von Museen heute.

"… zugunsten des Landes Österreich eingezogen …"

"Arisierung", die Enteignung jüdischen Vermögens in der NS-Zeit, wurde in der öffentlichen Diskussion der letzten Jahre meist nur im Zusammenhang mit spektakulären Fällen von Kunstraub thematisiert. Die Beutezüge der Geheimen Staatspolizei 1938/39 zielten jedoch nicht nur auf Kunstwerke, Geld und andere hohe Vermögenswerte. Sie machten auch vor den alltäglichsten Gegenständen jüdischer Haushalte in Wien nicht halt. Es wurde alles registriert und verwertet - bis zum privatesten, zur Wäsche in den Schränken und zu den Erinnerungsfotos an der Wand.

"… nachdem bisher von keiner Seite eine Anforderung dieser Vermögenschaften erfolgte und eine solche auch in Zukunft nicht zu erwarten ist …"

Im Staats-Mobiliendepot wurden nach dem "Anschluß" im März 1938 Wohnungseinrichtungen von acht jüdischen Haushalten eingelagert. 1940 wurden diese Gegenstände inventARISIERT und damit in staatlichen Besitz überführt. Das ist der historische Ausgangspunkt für die Arbeiten dieses Buches, die einen spezifischen Fall des umfassenden Vorgangs der Enteignung, Verwertung und Rückstellung jüdischen Vermögens thematisieren.
Mit dem Prozeß der staatlichen "In-Besitznahme" - Bürokratisierung als Transformation von Enteignung in neutrale formalisierte Aktenläufe beschäftigen sich Ilsebill Barta und Herbert Posch aus historischer Perspektive. Ebenso mit der Verwertung der arisierten Objekte durch Vermietung, Verkauf, Versteigerung und Ausstattung staatlicher Ämter bis heute sowie mit ihrer aktuellen Rückgabe.

Arno Gisingers fotokünstlerische Arbeit gilt den Objekten dieser Bestände.

In ihrem Essay thematisiert Monika Schwärzler Fragen des visuellen künstlerischen Umgangs mit diesem Themenkomplex, der diese Republik noch längere Zeit beschäftigen wird.