Lehrveranstaltung (AR, 2st., WS 2003/04) Roswitha Muttenthaler Jede Darstellungsweise ist Teil einer symbolischen Kulturpraxis, mit der sich eine Gesellschaft ihrer Bedeutung und Vergangenheit versichert. Damit spiegeln sich in Museen und Ausstellungen gesellschaftliche Selbstkonzeptionen und wissenschaftliche Positionen wider - ob dies nun dominante Bilder und Erzählungen sind oder Versuche von "Gegenmodellen" zu den herkömmlichen Repräsentationen. In der Lehrveranstaltung sollten visuelle und textliche Zeichensysteme, die in Ausstellungen eingesetzt werden und Aussagen zum Geschlechterverhältnis produzieren, erkennbar und analysierbar werden. Davon ausgehend, dass Ausstellungen immer auch Deutungen und Argumentationen sind, zielt eine Analyse darauf ab, Ausstellungen als lesbare Diskurse zu dekodieren. Befragt wurden die komplexen medialen Verfahrensweisen des Ausstellens dahingehend, wie die verwendeten Gestaltungsmittel bestimmte Interpretationen von kulturellen Bildern und Erzählungen über "Frauen" oder "Männer" nahe legen. Dabei wurden sowohl Ausstellungen thematisiert, die explizit das Thema "Gender" aufgreifen, als auch traditionelle Präsentationen, in denen aber implizit auch Aussagen zum Geschlechterverhältnis getroffen werden. Das Anliegen war, mittels kulturwissenschaftlicher Analyse den Blick für die gängige Praxis der "narrativen Unschuld" (Mieke Bal) von Ausstellungsinszenierungen zu sensibilisieren. Hinterfragt werden sollte, wessen Stimme spricht, wessen Hand zeigt, wer autorisiert ist, auf wen mit welchen Effekten zu schauen. Im ersten Teil der Lehreinheiten wurde in das Thema durch Vorträge, Präsentation von Anschauungsmaterial, gemeinsame Lektüre und einem im Naturhisotischen Museums durchgeführten Workshop eingeführt. Daran schlossen die Präsentationen von Arbeiten an, die die TeilnehmerInnen eigenständig zu selbstgewählten Themen erarbeiteten. |