Ausstellungen - Sonstige Ausstellungsmitarbeit

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Mai / Juni 1992, Hohenrupperdorf und Wolkersdorf

Konzeption und Realisation: Helga Penz, Herbert Posch, Walter Ruckhofer, Johanna Schaffer ("Die LaborantInnen")
Projektträger: "Die LaborantInnen. Verein für Aktivitäten im Ausstellungsbereich", Wien

Das Ausstellungsprojekt wurde im Rahmen des Fakultätslehrgangs für Museums- und Ausstellungsdidaktik der Universität Wien realisiert.


RUHEZEIT:

Die Ausstellung RUHEZEIT nimmt zum inhaltlichen Ausgangspunkt die Analytik des Denkmals.
Diese orientiert sich an Methoden der Semiologie (Vermessung der Zeichen), der Psychoanalyse (Vermessung der Seele), der Geographie (Vermessung des Raumes) und der Archäologie (Vermessung der Zeit), nicht den Methoden der Historie, nicht der Kunstgeschichte, nicht der Ethnologie und nicht der Soziologie.

Unsere Position: Wir untersuchen die Reaktionen von Denkmälern in chemischen Prozessen - denn sie sind Indikatoren, Katalysatoren, Konglomerate, Kristallisationen kultureller Identifikation. Die Ausstellung beschreibt das Zustandekommen, das Aussehen und die Verbindungsmöglichkeiten dieser Prozesse.
Sie sind stets Wechselspiel zwischen dem Denkmal und Menschen.

Die Ausstellung RUHEZEIT besetzt öffentlichen Raum, um sich in die Dynamik dieser Beziehungen einzuschalten. Darum findet sie vor Ort statt, verwendet vorhandene Infrastruktur und Informationsmedien des Ausstellungsortes und bindet die Bewohner des Ortes als Ausstellungsteilnehmer mit ein.


II Denkmalsthesen

Die Denkmäler stellen eine materielle Schnittstelle zwischen Geschichte und Gedächtnis dar. Wie unter Zwang setzen wir uns Denkmäler aus Furcht, spurlos zu verschwinden, kein Zeichen in einer völlig historisierten, verselbständigten Welt hinterlassen zu haben. Wir leben ein Leben schon in Hinblick auf seine eigene Aufzeichnung.

Als Gedächtnisorte geben Denkmäler dem Immateriellen eine greifbare Form, die ein Höchstmaß an Sinn in einem Mindestmaß von Zeichen einschließt.

Sie grenzen das Persönliche aus, indem sie Geschehen zu Geschichte verallgemeinern. Denkmäler sind die Interpunktionen der Geschichte, sie diktieren ritualisierte Erinnnerung, Gedächtnis wird Vermächtnis.Denkmäler leben von der Fähigkeit zur Metamorphose ihnen zugemessener Bedeutungen.
Die materielle Gestaltung von Denkmälern bildet einen Formenkanon, der durch Kriterien der Monumentalität, Statik, Symmetrie und einer unbedingten Ordnung gekennzeichnet ist; ein Kanon, der auch das direkte Umfeld des Denkmals miteinschließt.

Diese Inszenierung gilt als eine der Art der Erinnerung angemessene: Ordnung und nicht Unordnung, Geschichte und nicht Geschehen, Monument und nicht Moment. Tod und nicht Leben.


III. Zum Ausstellungsort.

Als Arbeitshypothese dieses Projektes: Denkmäler in kleinen Ortschaften können nicht mit einem überregionalen Publikum rechnen; daher kann man annehmen, daß der Umgang mit Denkmälern auf dem Land ein spezifisch anderer sein muß als der in der Stadt. Denkmäler prägen wesentlich Ortsbild und Identität eines Dorfes und scheinen einen Platz im Alltag zu haben. Sie sind integrativer Bestandteil dörflicher Strukturen, da sie Traditionsbewußtsein verankern helfen. Im Unterschied zum Umgang mit Denkmälern in der Stadt werden sie nicht vorrangig als Kulturgüter verwaltet, sondern als persönliches Erbe bewahrt. Als Ausstellungsorte sind die niederösterreichischen Gemeinden Hohenruppersdorf und Wolkersdorf (Bezirk Mistelbach) vorgesehen. Beide Orte verfügen an prominenten Plätzen über vergleichbare Denkmalensembles, bestehend aus Kriegerdenkmal, Pestsäule und Brunnenfigur bzw. gotisches Architekturfragment.


IV. Inhaltlicher Ablauf

Die Ausstellung unternimmt den Versuch einen Dialog zu initiieren. Essentieller Teil der Ausstellung ist das Sprechen über Denkmäler. Gesprächspartner sind wir, die Initiatoren, und die Ausstellungsteilnehmer: Am Ausgangspunkt der Gespräche steht die Konfrontation mit den oben formulierten Thesen. Die Perspektive der Gespräche zielt auf den Vergleich unterschiedlicher Positionen ab, um diese einer Überprüfung zu unterziehen.

Die Gespräche sind in drei Phasen unterteilt:

1) Spurensicherung: Wir stellen Fragen, rufen Erinnerungen ab, verzeichnen das Nebensächliche und scheinbar Wertlose, forschen nach der Geschichte des Umgangs mit den Denkmälern
2) Verteilung: Wir veröffentlichen die sichergestellten Spuren (Bilder Objekte, Dokumente und Interviews) und unsere Kommentare in verschiedenen Medien. Plakatwand, Kirchenzeitung, Bezirksboten, NÖN, Radio und Fernsehen stehen zur Disposition. Wir verlagern dadurch die Ausstellung auf verschiedene Gesprächsebenen. Durch das Ausnützen des infrastrukturellen Angebots wird die Gesprächskompetenz von uns auf die anderen Teilnehmer übertragen.
3) Aktionen: Wir stören die Ordnung der Denkmäler, indem wir gewohnte Wahrnehmungsweisen umleiten bzw. sie ergänzen Jeder erfindet sich seine Vergangenheit dazu als persönliche Geschichte Vervollständigung eines Geschichtsbildes, sondern erfinden einer fiktiven Vergangenheit als erlebbare Gegenwart.


V Gestaltung

Essentieller Teil der Ausstellung ist, in der Infrastruktur und mit den Medien vor Ort zu arbeiten und darin die Ausstellungsteilnehmer miteinzubeziehen. Entscheidungen über die endgültige Gestaltung können erst nach konkreten Recherchen vor Ort getroffen werden.

V.1. Zum Beispiel Photographie:
Wir sind mit Polaroidkameras vor Ort. Wir bieten den Ausstellungsteilnehmern an, die Position des Photographen einzunehmen und einen bestimmten, selbstgewählten Blick auf das Denkmal im Photo festzuhalten. Ebenso fordern wir sie auf, eine Position zu ihrem Denkmal zu beziehen, sich photographieren zu lassen und dokumentieren diese Stellungnahmen. Die Photographien werden noch während der Aktion am Ort ausgestellt: seriell affichiert, in Bücher eingeklebt, mit Texten kommentiert. Um den besonderen Blick der Ausstellungsteilnehmer hervorzuheben, können sie in Farbe, Format und Form verändert werden. Diese gestalteten Bilder werden auf gemieteten Plakatwänden im Ort montiert, die damit zum öffentlichen Photoalbum der Ausstellungsteilnehmer werden, was gleichzeitig den Fortgang der Ausstellung dokumentiert.

V.2. Zum Beispiel Videofilm:
In Interviews erzählen die Ausstellungsteilnehmer über ihre Denkmäler und die Beziehung zu ihnen. Diese Gespräche werden auf Video aufgezeichnet und als Grundlage für Videoclips verwendet. Die Videoclips werden mit TV-Geräten an öffentlichen Plätzen des Ortes (Gasthaus, Pfarrsaal etc.) gezeigt. Sie initiieren Gespräche über die ausgestellten Denkmäler und definieren damit nicht nur Betrachter der Denkmäler, sondern auch Zuseher der Videoclips als Ausstellungsteilnehmer. Für die Erstellung der Videoclips ist eine Zusammenarbeit mit der Stadtfilmwerkstatt St.Pölten vorgesehen.

V.3. Zum Beispiel Inserts in lokalen Zeitungen:
Wir verwenden lokale Zeitungen wie Bezirksboten oder Pfarrblätter nicht bloß als Werbeträger, sondern als Ausstellungsfläche. Diese Inserts sind somit integrativer Bestandteil der Ausstellung. Sie bestehen aus Dokumentationen unserer Spurensicherung, Anmerkungen zu unseren Blickrichtungen auf die Denkmäler und Ankündigungen der geplanten Aktionen.