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Brutale Neugier
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Brutale Neugier


Walter Henisch - Kriegsfotograf und Bildreporter
29. Oktober 2003 bis 6. Jänner 2004, Wien Museum Karlsplatz

KuratorInnen: Christian Stadelmann, Regina Wonisch
Gestaltung: Bernhard Denkinger
Projektträger: Wien Museum Karlsplatz

Brutale Neugier, so charakterisierte der aus Wien stammende Kriegsberichterstatter Walter Henisch (1913-1975) das Gefühl, das beim Fotografieren angesichts des Leids und des Todes Besitz von ihm ergriff - ein kalter Rausch. Als Propagandafotograf der Deutschen Wehrmacht erreichte er den Höhepunkt seiner Karriere. Nach 1945 arbeitete er als Bildreporter im Dienst verschiedener Zeitungen und Illustrierter, vor allem für die Arbeiter-Zeitung in Wien.

Seine Kriegsfotos dienten jedoch nicht nur der propagandistischen Presse: Walter Henisch sammelte sie auch für die private Erinnerung. So geriet sein Sohn Peter Henisch in den Sog der Bilder und Geschichten des Vaters. Als 30jähriger ließ er sich die Lebensgeschichte des Vaters kurz vor dessen Tod erzählen und schrieb - aus kritischer Distanz - einen viel beachteten Roman: "Die kleine Figur meines Vaters". Der Roman ist keine Abrechnung, Peter Henisch versuchte den Vater aus seinen Zwängen und Möglichkeiten heraus zu begreifen - und, er stellte sich nicht über ihn.

Walter Henisch war zwar unter Kollegen, Journalisten und Politikern seiner Zeit sehr bekannt, zählt aber nicht zu den ganz großen österreichischen Fotografen. In der Ausstellung ging es jedoch auch nicht um eine Werkschau im üblichen Sinn. Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn. Walter Henisch kam vor allem durch seine Fotos zu Wort, aber auch in seiner Selbstdarstellung - gefiltert durch die literarische Bearbeitung des Sohnes. Der Dialog entspann sich aufs Neue.

Die ausgestellten Kriegsfotos stammten zwar zum überwiegenden Teil aus dem Privatbesitz der Familie Henisch - also aus diversen Fotoalben. Dennoch ist das Material von zwei Kontexten geprägt, denen es Rechnung zu tragen galt: dem privaten Rahmen des Erinnerungsfotos und der Propagandafotografie. Doch egal, ob Erinnerungs- oder Pressefotos, in beiden Fällen handelt es sich um Gebrauchsobjekte. Daher wurden die Bilder in der Ausstellung - unabhängig von ihrem ästhetischen Wert - nicht als isolierte Exponate, sondern in ihrem je spezifischen Kontext präsentiert.

Zum Katalog: Brutale Neugier