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 Das Mobiliendepot
 'Arisierung'
 8 Fälle
  Hugo Breitner
  Viktor Ephrussi
  Wilhelm Goldenberg
  Moritz König
  Oskar Pöller
  Hedwig Schwarz
  Emil Stiaßny
  Paul Weiß

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Hugo Breitner
geb. 09.11.1873 in Wien, gest. 03.05.1946 Claremont/USA
Wohnadresse: Kritzendorf, Feldstraße 5 (1938: Horst Wessel-Straße 5)
 
 

Dr. Hugo Breitner, früher Direktor der Österreichischen Länderbank, schuf als Wiener Finanzstadtrat (1919-1932) die finanzielle Grundlage der vorbildlichen Wohnbau- und Sozialpolitik des "Roten Wien", unter anderem durch eine Politik sozial gestaffelter, progressiver Steuern wie Luxus- und Wohnbausteuer. Nach seinem Rücktritt übernahm er 1932-1934 die Leitung der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er vom austrofaschistischen Regime verhaftet. 1936 emigrierte er über Florenz in die USA (1939). In der Emigration war er Mitglied des Advisory Board des Austrian Labor Committee und der Austrian Labor Information und zuletzt Dozent für Städtewesen an der Univ. Claremont/Kalifornien. 1946 starb er kurz vor der geplanten Rückkehr nach Wien. 1948 wurde die neuerrichtete Gemeinde-Wohnhausanlage "Hugo-Breitner-Hof" in Wien 14., nach ihm benannt. Im August 1950 brachte seine Witwe, Therese Breitner, seine Urne aus den USA nach Wien, wo sie in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof feierlich beigesetzt wurde.

Chronologischer Überblick über "Arisierung", Verwertung und Restitution:

11. Juni 1938: Villa und Liegenschaft in Kritzendorf werden von der Gestapo "arisiert".

Dezember 1938: Das Mobiliendepot nimmt vor Ort alle Objekte in Listen auf. Der größte Teil wird der im Hause untergebrachten NSDAP-Ortsgruppenleitung Kritzendorf überlassen. Wäsche und Haushaltsgegenstände wird an die NS-Volkswohlfahrt übergeben; Geschirr, Gläser, Bestecke werden in der Silberkammer deponiert. Die verbleibenden Möbel werden im Mobiliendepot eingelagert.

Juni 1939: Die bislang gesondert verwahrten Objekte werden inventarisiert und damit in den Bestand integriert.

Dezember 1939: An die Nationalbibliothek werden 69 Bücher abgegeben.

1947-1954: Die in Kalifornien lebende Witwe Hugo Breitners leitet 1947 gegen die neuen Besitzer der Villa Breitner ein Rückstellungsverfahren ein. Das Haus wird ihr 1952 prinzipiell zugesprochen. Die Verhandlungen ziehen sich aber noch weiter hin. Schließlich gibt sie auf und verkauft die Villa der darin wohnenden Familie Morawsy, die sie 1941 als beschlagnahmtes Gut erworben hatten.

Oktober 1969: Im Wiener Dorotheum werden die bis dahin in der Silberkammer ohne Inventarisierung eingelagerten Objekte für die "Sammelstellen A und B zugunsten politisch oder rassisch Verfolgter" versteigert. Zuvor hat die Finanzlandesdirektion 1969 entschieden, daß die Objekte seit 1956 an die "Sammelstellen" übergegangen wären, da die Eigentümer keinen fristgerechten Rückstellungsanspruch gestellt hätten. Die Adresse der Familie ist den Finanzbehörden damals bekannt.

Anfang 2000: Mit der Tochter Hugo Breitners wird Kontakt aufgenommen über die Rückgabe der im Mobiliendepot noch vorhandenen Objekte.

 
Exponat

Toilettespiegel.
Aus der 'arisierten' Wohnung von Hugo Breitner

Seit 1999 im Mobiliendepot zur Rückgabe bereitgestellt

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