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 Das Mobiliendepot
 'Arisierung'
 8 Fälle
  Hugo Breitner
  Viktor Ephrussi
  Wilhelm Goldenberg
  Moritz König
  Oskar Pöller
  Hedwig Schwarz
  Emil Stiaßny
  Paul Weiß

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Acht 'Arisierungen'. Ein Überblick
 
 


1938 wurden allein in Wien geschätzte 70.000 Wohnungen jüdischer Bürger "arisiert": enteignet von der Geheimen Staatspolizei oder "wild" geplündert und ausgeraubt. Die aus rassischen Gründen verfolgten Bewohner mußten ihre Wohnungen verlassen, wurden vertrieben oder deportiert.

Acht Wohnungseinrichtungen, von der Gestapo beschlagnahmt, wurden im Mobiliendepot eingelagert. Die bearbeitenden Beamten legten meist noch vor Ort, in den Wohnungen, genaue Listen aller Objekte an. Raum für Raum wurden Möbel, Bilder, Teppiche und Geschirr detailliert aufgenommen; ebenso ganz private Alltagsgegenstände wie die Diwanpuppe, ein Schlafrock, die Autojacke oder das Erinnerungsfoto an der Wand. Als "wertlos" bezeichnete Gegenstände wie Wäsche, Küchenutensilien und Bettzeug wurden zwar aufgelistet, aber direkt an die nationalsozialistische Volkswohlfahrt weitergegeben. Kunstwerke und Bücher erhielten Museen beziehungsweise Bibliotheken. Ab 1939 wurden 575 der "arisierten" Einrichtungsgegenstände in das Inventar des Mobiliendepots eingetragen, inventARISIERT, und damit offiziell in staatlichen Besitz übernommen.

Das Mobiliendepot erfüllte seit dem 18. Jahrhundert die Aufgabe der repräsentativen Ausstattung kaiserlicher Schlösser und Amtsstuben. Seit 1918 richtete es Ämter, Ministerien und Botschaften der Republik Österreich ein. Ab 1939 wurden neben den ehemals kaiserlichen Gebrauchsgegenständen auch "arisierte" Möbel dafür verwendet. Man vermietete sie weiters an Privatpersonen oder an Vereine oder entlehnte sie zur Ausstattung an NS-Dienststellen. Auch Amts- und Wohnräume der NS-Führung wurden damit eingerichtet. An die achtzig inventARISIERTE Gegenstände wurden vor 1945 verkauft.

Nach 1945 unterließ das Mobiliendepot die gesetzlich verpflichtende Anmeldung des von ihm verwalteten enteigneten Vermögens. Den BesitzerInnen war es daher fast unmöglich, ihre Einrichtungsgegenstände wiederzufinden. Nur zwei der Geschädigten meldeten Rückstellungsansprüche an. Die Restitutionen blieben aber unvollständig. Das übrige Mobiliar wurde in Amtsräumen weiterverwendet oder man beließ es im Depot.

In den letzten Jahren wurden die alten Akten und Inventaraufzeichnungen aufgearbeitet. Zerstörungen durch Kriegsereignisse und jahrzehntelanger Gebrauch in Büros hatten den Möbelbestand auf 152 Objekte dezimiert. Diese Möbel, Bilder und Teppiche konnten noch zur Rückgabe an die ErbInnen bereitgestellt werden. Aber für zwei der acht "arisierten" Wohnungseinrichtungen sind bis heute noch keine rechtmässigen BesitzerInnen gefunden worden. Nach ihnen wird weiter gesucht.

 

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